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Wachsturmbann: Die SS-Wachverbände der Konzentrationslager

Hölzerner Wachturm und Lagerzaun auf dem Gelände von Auschwitz-Birkenau im Winter
Jochen Zimmermann, via Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Als Oswald Kaduk 1942 nach Auschwitz kam, wurde er zunächst dem Wachsturmbann zugeteilt. Der bürokratische Begriff bezeichnete keinen einzelnen Wachdienst, sondern einen militärisch gegliederten SS-Verband. Seine Angehörigen bewachten den Lagerzaun, begleiteten Arbeitskommandos und hielten damit ein System in Betrieb, in dem Menschen gefangen gehalten, ausgebeutet und ermordet wurden.

Was bedeutete Wachsturmbann?

Ein Sturmbann war in der Organisationssprache der SS ein Verband in der Größenordnung eines Bataillons. Der Zusatz „Wach“ beschrieb seine Aufgabe. Ein Wachsturmbann war somit eine größere Einheit aus mehreren Wachkompanien. Der Begriff darf nicht mit dem SS-Dienstgrad Sturmbannführer verwechselt werden. Er bezeichnete den Verband, nicht den Rang eines einzelnen SS-Manns.

Die Namen der Wachverbände änderten sich während der NS-Zeit. Das United States Holocaust Memorial Museum beschreibt, wie aus frühen politischen Bereitschaften 1935 SS-Wachverbände und 1936 SS-Totenkopfverbände wurden. In Quellen zum Konzentrationslagersystem finden sich deshalb Bezeichnungen wie Wachbataillon, Wachsturmbann oder SS-Totenkopfsturmbann.

Wachmannschaft und Kommandanturstab

Der Wachsturmbann war nicht mit der gesamten Lager-SS gleichzusetzen. Das Personal eines Konzentrationslagers bestand im Kern aus zwei Bereichen. Zum Kommandanturstab gehörten die Lagerleitung, die Politische Abteilung, die Verwaltung, der Arbeitseinsatz und der SS-Sanitätsdienst. Daneben standen die bewaffneten Wachmannschaften.

Diese Trennung beschreibt Aufgaben, aber keine voneinander unabhängigen Systeme. Der Kommandant führte sowohl das Lager als auch die SS-Garnison. Personal konnte außerdem zwischen Wachkompanien und Funktionen im inneren Lagerdienst wechseln. Die Zugehörigkeit zum Wachsturmbann sagt deshalb nicht zwangsläufig aus, welche Aufgaben ein SS-Angehöriger während seiner gesamten Dienstzeit übernahm.

Der Wachsturmbann in Auschwitz

In Auschwitz bildeten die Wachmannschaften den größten Teil der SS-Garnison. Nach Angaben der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau verrichteten etwa 75 Prozent des SS-Personals Wachdienst. Das Wachbataillon bestand zeitweise aus acht bis zehn Wachkompanien, zwei Stabskompanien und einer Hundestaffel.

Die Männer besetzten Wachtürme und Postenketten, kontrollierten die Lagergrenzen und begleiteten Gefangene zu Arbeitsstellen außerhalb des umzäunten Bereichs. Beim Marsch und am Arbeitsplatz sollten bewaffnete Posten Fluchten verhindern. Damit reichte ihre Tätigkeit weit über das sichtbare Bewachen eines Tores hinaus.

Die Größe der Garnison wuchs mit dem Lagerkomplex. Die Gedenkstätte nennt rund 340 SS-Wachen im Herbst 1940, etwa 2.200 Anfang 1942 und mehr als 4.000 vor der Räumung im Januar 1945. Insgesamt leisteten während des Bestehens von Auschwitz mehr als 8.000 SS-Männer zeitweise Dienst in der Garnison.

Bewachung als Teil des Terrors

Die Wachmannschaften hielten Gefangene unter ständiger Gewaltandrohung fest. Sie ermöglichten Zwangsarbeit, verhinderten Fluchten und sicherten die verschiedenen Lagerbereiche. Einzelne Wachmänner schlugen oder erschossen Gefangene. Die Lagerleitung belohnte teilweise sogar tödlich vereitelte Fluchtversuche mit Sonderurlaub. Zugleich war das gesamte Sicherungssystem darauf ausgerichtet, die Gefangenen vollständig der Gewalt der SS auszuliefern.

Nicht jeder Angehörige eines Wachsturmbanns übte dieselbe Funktion aus oder wurde nach dem Krieg wegen einer konkreten Tat verurteilt. Die organisatorische Bedeutung der Verbände bleibt davon unberührt. Ohne Postenketten, bewaffnete Begleitung und bewachte Lagergrenzen hätten Haft, Zwangsarbeit und Massenmord nicht in dieser Form durchgeführt werden können.

Oswald Kaduk als Beispiel für einen Funktionswechsel

Der Fall Oswald Kaduk zeigt, wie ein SS-Mann aus dem Wachverband in den inneren Lagerdienst wechseln konnte. Laut der Biographie des Fritz Bauer Instituts wurde Oswald Kaduk 1942 zum Wachsturmbann Auschwitz abkommandiert. Kurz darauf setzte ihn die SS als Blockführer und später als Rapportführer ein.

Als Rapportführer kontrollierte Oswald Kaduk Appelle und verfügte über unmittelbare Macht im Lageralltag. Seine spätere Funktion lässt sich daher nicht allein mit dem Wort Wachsturmbann erklären. Der Begriff bezeichnet die Einheit, über die er nach Auschwitz kam. Sein weiterer Weg führte in eine Position, in der er selbstständig schwere Gewalt ausübte und an Selektionen beteiligt war.

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