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Mörder im Wandel der Zeit

Mörder im Wandel der Zeit

Noch bevor es das Wort dafür gab, prägte ein einzelner ungeklärter Fall das Bild des Serienmörders für Generationen: Jack the Ripper, der 1888 im Londoner Whitechapel mindestens fünf Frauen tötete. Von der sensationslüsternen Presse jener Zeit bis zur heutigen True-Crime-Industrie zeigt die Geschichte dieses Begriffs, wie eng das öffentliche Bild solcher Täter immer schon mit der jeweiligen Medienlandschaft verwoben war.

Whitechapel 1888: Die Geburt des Boulevard-Verbrechens

Die Whitechapel-Morde fielen in eine Zeit explodierender Massenpresse, und die Zeitungen nutzten den Fall exzessiv: Illustrierte Blätter wie die „Illustrated London News” veröffentlichten dramatische Stiche vermeintlicher Tatverdächtiger, Boulevardblätter druckten angebliche Täterbriefe, deren Echtheit bis heute umstritten ist. Der namenlose Täter wurde so, noch bevor überhaupt der Begriff „Serienmörder” existierte, zur ersten globalen Symbolfigur eines Typs von Verbrechen, der bis heute fasziniert und erschreckt zugleich.

1930: Ein Berliner Kriminalist prägt das Wort

Der deutsche Begriff „Serienmörder” selbst ist älter als sein englisches Pendant „serial killer”: Der Berliner Kriminalbeamte Ernst Gennat, Leiter der 1926 von ihm gegründeten ersten ständigen Mordkommission Deutschlands, prägte ihn 1930 in seinem Fachaufsatz „Die Düsseldorfer Sexualverbrechen” über die Ermittlungen gegen Peter Kürten, den „Vampir von Düsseldorf”. Erst rund vierzig Jahre später griff der amerikanische FBI-Agent Robert Ressler den Gedanken auf und prägte den englischen Begriff „serial killer”, nach eigener Aussage inspiriert von den episodenhaften Kinofortsetzungen (movie serials) seiner Kindheit.

Die FBI-Profiler und die Wissenschaft vom Täter

Zwischen 1976 und 1979 führten Ressler und sein Kollege John Douglas von der neu gegründeten Behavioral Science Unit des FBI eine Reihe von Gefängnisinterviews mit 36 bereits verurteilten Gewalttätern, um systematisch nach Gemeinsamkeiten in Hintergrund und Vorgehensweise zu suchen. Diese Interviews legten den Grundstein für das moderne Täterprofiling und prägten auch das öffentliche Bild: Der Serienmörder wurde vom unfassbaren Monster zunehmend zu einem, wenn auch weiterhin abstoßenden, Untersuchungsgegenstand der Wissenschaft.

Vom Fallaktenordner zur Streaming-Serie

Diese wissenschaftliche Betrachtungsweise floss später direkt in die Popkultur zurück, am direktesten in der Serie „Mindhunter”, die Resslers und Douglas’ frühe Ermittlungsarbeit dramatisiert nacherzählt. Die seither ungebrochene Konjunktur von True-Crime-Dokumentationen, Podcasts und Streaming-Serien hat das Interesse am Thema weiter vertieft, wirft aber auch die Frage auf, ob die mediale Faszination die eigentlichen Opfer nicht zunehmend in den Hintergrund drängt, eine Debatte, die eigene Betrachtung verdient.

Fazit

Von den reißerischen Zeitungsstichen über Whitechapel 1888 über Ernst Gennats nüchterne Fachterminologie 1930 bis zu den FBI-Interviews der 1970er-Jahre und der heutigen Streaming-Serie: Das Bild des Serienmörders war nie eine feststehende Größe, sondern veränderte sich mit jeder neuen Medientechnologie und jedem neuen wissenschaftlichen Erklärungsansatz, ein Prozess, der mit dem heutigen True-Crime-Boom erkennbar weitergeht.

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