Erfolgreiche Fallstudien
Kriminalprofiling wird in Film und Fernsehen gerne so dargestellt, als führe ein treffsicheres psychologisches Täterprofil direkt und allein zur Festnahme. Die tatsächliche Ermittlungsgeschichte dreier der bekanntesten amerikanischen Serienmordfälle zeigt ein differenzierteres Bild: Profiling lieferte wichtige Hinweise und half, Ermittlungen zu fokussieren, den entscheidenden letzten Schritt zur Festnahme lieferten in allen drei Fällen jedoch andere, oft eher zufällige Umstände.
Ted Bundy: Verhaltensmuster gegen Zufallsfund
FBI-Agenten der Behavioral Science Unit erstellten aus Ted Bundys Vorgehensweise ein Täterprofil, das unter anderem seine Vorliebe für junge Frauen mit langem, mittig gescheiteltem Haar an belebten Orten wie Universitätscampus beschrieb, und setzten ihn auf die Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen des FBI. Seine tatsächliche Festnahme am 15. Februar 1978 in Pensacola, Florida, verdankte sich jedoch einem aufmerksamen Streifenpolizisten, der ihn wegen eines gestohlenen Fahrzeugs bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle stoppte, ein waschechter Zufallstreffer, kein direktes Ergebnis der vorherigen Profilarbeit.
Der Green River Killer: DNA schlägt Profil
Auch im Fall von Gary Ridgway, bekannt als „Green River Killer” und verantwortlich für mindestens 49 nachgewiesene Morde, lieferte FBI-Profiler John Douglas der eigens gegründeten „Green River Task Force” ein psychologisches Täterprofil. Ridgway war den Ermittlern dadurch zwar bereits 1983 als Verdächtiger bekannt, seine endgültige Festnahme am 30. November 2001 gelang jedoch erst, als ein DNA-Abgleich von Speichel- und Haarproben, die jahrelang in der Asservatenkammer gelagert hatten, ihn eindeutig überführte, eine forensische Methode, die zum Tatzeitpunkt in den 1980er-Jahren noch gar nicht zur Verfügung stand.
BTK-Killer: Der Täter enttarnt sich selbst
Dennis Rader, der als „BTK-Killer” (bind, torture, kill) zwischen 1974 und 1991 mindestens zehn Menschen in Wichita, Kansas, tötete, hatte sich danach jahrzehntelang unauffällig verhalten. Erst als er 2004 überraschend wieder anfing, der Polizei und Medien eigene Briefe und schließlich eine Diskette zu schicken, offenbar aus Geltungsbedürfnis, gaben ihm die Ermittler bewusst öffentlich zu verstehen, eine Diskette sei nicht rückverfolgbar. Rader glaubte dem und schickte tatsächlich eine, deren Metadaten die Polizei zu einem Computer seiner Kirchengemeinde zurückführten, was am 25. Februar 2005 zu seiner Festnahme führte, ein Fall, in dem weniger klassisches Profiling als sein eigener, durch jahrzehntelange Straflosigkeit genährter Geltungsdrang ihm zum Verhängnis wurde.
Fazit
In allen drei Fällen leistete psychologisches Profiling wertvolle Vorarbeit, etwa um Ermittlungen zu priorisieren oder Kommunikationsverhalten einzuschätzen, den letzten, entscheidenden Schritt zur Festnahme lieferten jedoch ein Zufallsfund, eine neue forensische Technologie oder die Selbstüberschätzung des Täters selbst. Das schmälert den Wert des Profilings nicht, relativiert aber seine in der Popkultur oft überzeichnete Rolle als alleiniger Schlüssel zur Aufklärung.