Zodiac
- Aktive Jahre
- 1968–1969
- Modus Operandi
- ErschießenErstechen
Zwischen dem 20. Dezember 1968 und dem 11. Oktober 1969 tötete ein bis heute nicht identifizierter Täter in der San Francisco Bay Area in Nordkalifornien mindestens fünf Menschen. Er nannte sich selbst in Briefen an Zeitungen „Zodiac” und unterschrieb mit einem Symbol aus Kreis und Kreuz, das seither untrennbar mit dem Fall verbunden ist. Was den Fall von den meisten anderen ungeklärten Serienmorden unterscheidet, sind vier verschlüsselte Chiffren, die der Täter selbst verschickte. Eine davon blieb 51 Jahre lang ungelöst.
Die Taten
Die erste Tat ereignete sich am 20. Dezember 1968 an der Lake Herman Road nahe Benicia: Der 17-jährige David Faraday und die 16-jährige Betty Lou Jensen wurden in ihrem geparkten Auto erschossen. Am 4. Juli 1969 eröffnete der Täter am Blue Rock Springs Park in Vallejo das Feuer auf ein weiteres Paar, die 22-jährige Darlene Ferrin starb, ihr Begleiter Michael Mageau überlebte schwer verletzt. Am 27. September 1969 griff er am Lake Berryessa ein Pärchen mit einem Messer an, maskiert mit einer Kapuze, auf der sein Symbol aufgemalt war. Cecelia Shepard, 22 Jahre alt, erlag zwei Tage später ihren Stichverletzungen, Bryan Hartnell überlebte trotz zahlreicher Stiche. Am 11. Oktober 1969 erschoss der Täter in San Francisco den Taxifahrer Paul Stine und riss ein Stück aus dessen blutgetränktem Hemd, das er später einem Brief beilegte, um seine Täterschaft zu belegen.
Die Chiffren und Briefe
Ab Ende Juli 1969 schickte der Täter mehrere Zeitungen in der Bay Area Briefe, denen er dreigeteilte, insgesamt 408 Symbole umfassende Geheimschriften beilegte, verbunden mit der Drohung, weitere Morde zu begehen, sollten die Zeitungen die Chiffren nicht abdrucken. Ein Lehrerehepaar aus Salinas, Donald und Bettye Harden, knackte den Code binnen weniger Tage per Hand. Die entschlüsselte Botschaft begann mit dem Satz „I like killing people because it is so much fun”. Eine zweite, 340 Zeichen lange Chiffre aus einem Brief vom November 1969 widerstand jedem Entschlüsselungsversuch, bis sie im Dezember 2020, also 51 Jahre später, von den Hobby-Kryptologen David Oranchak, Jarl Van Eycke und Sam Blake gemeinsam gelöst wurde. Dreizehn weitere Symbole aus einem Brief vom April 1970 gelten bis heute als ungelöst. Der Täter behauptete in seinen Schreiben, insgesamt 37 Menschen getötet zu haben, eine Zahl, die sich bis heute nicht belegen lässt. Sein letzter zweifelsfrei authentifizierter Brief datiert vom 29. Januar 1974.
Ermittlung
Die Taten fielen in die Zuständigkeit mehrerer Behörden gleichzeitig, unter anderem der Polizei von Vallejo, des Napa County Sheriff’s Office und der San Francisco Police Department, was den Informationsaustausch erheblich erschwerte. Der Fall wurde durch den San-Francisco-Ermittler Dave Toschi, der über Jahre mit dem Fall betraut war, überregional bekannt und diente später als eine der Vorlagen für die Filmfigur des Inspector Harry Callahan. Trotz tausender bearbeiteter Hinweise und mehrerer intensiv verfolgter Spuren gelang nie eine Anklage.
Verdächtige
Über Jahrzehnte galt Arthur Leigh Allen als Hauptverdächtiger, ein vorbestrafter Mann aus Vallejo, der 1992 verstarb, ohne dass Handschriftenvergleiche oder spätere DNA-Analysen ihn zweifelsfrei belasteten oder entlasteten. 2021 erklärte eine private Ermittlergruppe namens „Case Breakers”, mit Gary Francis Poste, der bereits 2018 verstorben war, den Täter identifiziert zu haben. Die Beweisführung überzeugte weder das FBI noch unabhängige Fachleute, das FBI bestätigte lediglich, der Fall bleibe offiziell offen und ungelöst.
Warum der Fall bis heute ungelöst ist
Neben der zersplitterten Zuständigkeit mehrerer Polizeibehörden erschwerten widersprüchliche Zeugenbeschreibungen und der Umstand, dass 1969 weder DNA-Analysen noch computergestützte Rasterfahndung existierten, die Aufklärung. Die Verbindung mehrerer Taten zu einem einzigen Täter beruhte zunächst allein auf dessen eigenen Briefen, forensisch zweifelsfrei zugeordnet werden konnten nur die fünf oben genannten Taten.
Nachwirkungen
Der Fall prägte das amerikanische Bild des selbstinszenierenden, medienbewussten Serienmörders wie kaum ein anderer und inspirierte zahlreiche Bücher, Dokumentationen und Spielfilme, darunter David Finchers „Zodiac” von 2007. Bis heute beschäftigt eine aktive Gemeinschaft von Amateur-Kryptologen sich mit den unentschlüsselten Symbolen aus dem Brief von 1970, in der Hoffnung, dort einen letzten Hinweis auf die Identität des Zodiac-Killers zu finden. Die Selbstinszenierung mit verschlüsselten Botschaften fand später sogar Nachahmer im Ausland, etwa den italienischen Erpressermörder Michele Profeta, der sich 2001 in Padua ausdrücklich am Vorbild des Zodiac-Killers orientierte.