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Zdzisław Marchwicki

genannt „Vampir von Zagłębie"

Porträtaufnahme von Zdzisław Marchwicki, entstanden vor seiner Hinrichtung 1977
Wikimedia Commons / polizei.pl (policja.pl), seitlich ergänzt · Public Domain
14
Opfer
„Vampir von Zagłębie"
hingerichtet
SerienmörderDąbrowa Górnicza , Polen
Aktive Jahre
1964–1970
Modus Operandi
Stumpfe GewaltKomplizen

Die Gerichtsakte zu Zdzisław Marchwicki liegt heute unter dem Aktenzeichen IV K. 157/74 im Archiv des polnischen Instituts für Nationales Gedenken. Das Verfahren endete mit vierzehn Mordschuldsprüchen und seiner Hinrichtung 1977. Eine Aufarbeitung des Instituts für Gerichtsexpertise dokumentiert zugleich politischen Aufklärungsdruck und einen alternativen Verdächtigen, weshalb die Täterschaft bis heute umstritten bleibt.

Werdegang

Über seine Kindheit ist wenig gesichert bekannt. Während des Zweiten Weltkriegs musste er in der Region Prudnik Zwangsarbeit leisten, nach eigener späterer Aussage geriet er dort in Konflikt mit der Gestapo und wurde im Lager Blechhammer interniert. Später arbeitete er als Bergmann, heiratete und hatte mit seiner Frau Kinder. Zwei seiner Brüder, Jan und Henryk, sowie eine Schwester lebten ebenfalls im Raum Dąbrowa Górnicza.

Taten

Zwischen November 1964 und März 1970 wurden im Raum Będzin, Czeladź, Sosnowiec und Dąbrowa Górnicza mindestens vierzehn Frauen im Alter zwischen 16 und 58 Jahren ermordet, sieben weitere überlebten Angriffe. Der Täter schlug seinen Opfern von hinten mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf, in mehreren Fällen kam es zusätzlich zu sexuellen Übergriffen an den Leichen. Zu den Opfern zählten unter anderem Anna Mycek (7. November 1964, Katowice), Ewa Pakan (20. Januar 1965, Czeladź) und, medial besonders beachtet, die 18 Jahre alte Jolanta Gierek (11. Oktober 1966, Będzin), eine Nichte des späteren Ersten Sekretärs der polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, Edward Gierek. Das letzte bekannte Opfer, Jadwiga Kucianka, starb am 4. März 1970 in Siemianowice Śląskie.

Ermittlung und Festnahme

Eine eigens gebildete Sonderkommission, zunächst „Zagłębie”, später „Anna” genannt, jagte den Täter über Jahre erfolglos, unter anderem mithilfe eines psychologischen Täterprofils mit 483 Merkmalen und einer ausgelobten Belohnung von einer Million Złoty. Am 6. Januar 1972 wurde Zdzisław festgenommen, allerdings zunächst nur wegen häuslicher Gewalt gegen seine Frau und seine Kinder. Im Mai desselben Jahres folgten die Festnahmen seiner Brüder Jan und Henryk, kurz darauf die einer Schwester und weiterer Angehöriger.

Prozess und Hinrichtung

Der Prozess begann am 18. September 1974 im Klubhaus des Zinkwerks Katowice und wurde zu einem viel beachteten Medienereignis. Am 28. Juli 1975 sprach das Gericht Zdzisław des vierzehnfachen Mordes und mehrerer versuchter Tötungen schuldig und verurteilte ihn zum Tode, sein Bruder Jan erhielt für die Beteiligung an der letzten Tat ebenfalls ein Todesurteil, Henryk 25 Jahre Haft. Am 26. April 1977 wurde Zdzisław im Untersuchungsgefängnis Katowice gehängt, eine Stunde später sein Bruder Jan. Er wurde anonym auf dem Panewniki- Friedhof in Katowice beigesetzt.

Zweifel an der Schuld

Schon während der Ermittlungen hatte der zunächst zuständige Staatsanwalt eine Anklage abgelehnt und wurde daraufhin vom Fall abgezogen. Spätere Recherchen von Journalisten, darunter Przemysław Semczuk und der Regisseur Maciej Pieprzyca, sowie Aussagen ehemaliger Ermittler stellten die Beweislage grundlegend infrage: Fingerabdrücke am Tatort passten nicht zu Zdzisław, der Täter dürfte nach den Spuren Linkshänder gewesen sein, während Zdzisław Rechtshänder war, und die als Tatwaffe präsentierte Lederpeitsche galt Experten zufolge als zu weich für die schweren Kopfverletzungen der Opfer. Die spätere Aussage seiner Kinder, die ihn belastete, sollen diese laut eigenen Angaben unter dem Druck ihrer Mutter gemacht und später widerrufen haben. Als Alternativverdächtiger galt der psychisch kranke Piotr Olszowy, der Morde gestand, aber freigelassen wurde und sich im März 1970 durch einen Brand das Leben nahm, kurz nachdem eine anonyme Notiz bei der Polizei eingegangen war, dies sei der letzte Mord gewesen. Befürworter der Unschuldsthese verweisen zudem darauf, dass die Ermittler unter erheblichem politischen Druck standen, den Fall aufzuklären, weil eines der Opfer mit Edward Gierek verwandt war.

Nachwirkungen

Der Fall wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1981 in „Anna i wampir” und 2016 in Maciej Pieprzycas Spielfilm „Jestem mordercą” (Ich bin ein Mörder), der die Zweifel an der Verurteilung einem breiten Publikum bekannt machte. Bis heute gilt der Fall in Polen als eines der umstrittensten Todesurteile der kommunistischen Ära, neben anderen aus derselben Zeit wie dem des als „Vampir von Podlachien” bekannten Julian Kołtuń.

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