Yvonne Chevallier
- Aktive Jahre
- 1951
- Modus Operandi
- Erschießen
Yvonne Chevallier, geboren 1911, war die Ehefrau des Orléanser Politikers Pierre Chevallier. Am 12. August 1951 erschoss sie ihn in ihrem gemeinsamen Haus, nachdem er ihr eröffnet hatte, sich scheiden lassen zu wollen. Ein Geschworenengericht in Reims sprach sie 1952 nach kurzer Beratung frei.
Werdegang
Pierre Chevallier war Arzt, Mitglied der französischen Nationalversammlung und stellvertretender Bürgermeister von Orléans, außerdem zeitweise Staatssekretär für technische Bildung. Yvonne stand als seine Ehefrau in der Öffentlichkeit der Loire-Stadt, das Paar hatte gemeinsame Söhne.
Die Tat
Am Morgen des 12. August 1951 konfrontierte Yvonne ihren Mann in seinem Ankleidezimmer. Pierre hatte eine Affäre mit Jeanne Perreau, einer wohlhabenden Nachbarin, und behandelte Yvonne nach Zeugenaussagen zunehmend mit offener Verachtung. Als sie drohte, sich selbst etwas anzutun, soll er erwidert haben, das sei das Klügste, was sie je tun könne, solle aber warten, bis er das Haus verlassen habe. Daraufhin holte Yvonne eine Pistole vom Kaliber 7,65 Millimeter und feuerte vier Schüsse auf ihn ab, in Brust, Unterarm, Oberschenkel und Kinn. Als er bereits am Boden lag, gab sie einen fünften Schuss in seinen Rücken ab.
Prozess
Um das öffentliche Interesse einzudämmen, wurde der Prozess von Orléans ins gut 150 Kilometer entfernte Reims verlegt, was jedoch kaum Wirkung zeigte: Vor dem Gerichtsgebäude warteten mehrere tausend Menschen auf das Urteil. Am 5. November 1952 hörten die Geschworenen 16 Stunden lang Zeugenaussagen. Richter Raymond Jadin zeigte sich Yvonne gegenüber wohlwollend und sprach in seiner Zusammenfassung nur mild tadelnd von einer „tierischen Leidenschaft”. Auch in der Öffentlichkeit schlug ihr überwiegend Sympathie entgegen. Die Geschworenen benötigten nur rund 45 Minuten, um sie freizusprechen, ein Urteil, das in seiner öffentlichen Resonanz an den knapp vier Jahrzehnte zurückliegenden Freispruch von Henriette Caillaux erinnerte, die 1914 ebenfalls einen Mann erschossen hatte und freigesprochen worden war.
Nachwirkungen
Nach dem Freispruch zog sich Yvonne zunächst auf den Bauernhof ihrer Familie zurück. Überwältigt von Schuldgefühlen und der anhaltenden öffentlichen Aufmerksamkeit, zog sie später mit ihren Söhnen nach Französisch-Westafrika, wo sie bis zu ihrem Tod in den 1970er Jahren als freiwillige Krankenschwester in einem Krankenhaus für Bedürftige arbeitete.