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Xavier Dupont de Ligonnès

genannt „Das Phantom"

Überwachungskamerabild von Xavier Dupont de Ligonnès aus einem Hotel in Roquebrune-sur-Argens, der letzten bestätigten Aufnahme von ihm vor seinem Verschwinden
Überwachungskamera Hotel Formule 1, Roquebrune-sur-Argens, via Wikimedia Commons (seitlich ergänzt, um das Bildformat der Seite zu füllen) · Public Domain (automatisierte Kameraaufnahme, keine menschliche Urheberschaft)
5
Opfer
„Das Phantom"
flüchtig
Mörder — Nantes , Frankreich
Aktive Jahre
2011
Modus Operandi
Erschießen

Xavier Dupont de Ligonnès wird verdächtigt, in der Nacht vom 3. auf den 4. April 2011 seine Frau Agnès und drei seiner vier Kinder erschossen und am 5. April auch den ältesten Sohn Thomas getötet zu haben. Die Leichen wurden unter der Terrasse des gemeinsamen Reihenhauses in Nantes vergraben. Er selbst verschwand wenige Tage später spurlos und gilt seither als einer der meistgesuchten Männer Frankreichs. Wichtig festzuhalten: Er wurde nie gefasst, angeklagt oder verurteilt. Was folgt, sind die gegen ihn sprechenden Indizien und der Stand der Ermittlungen, keine gerichtlich festgestellten Tatsachen.

Die Familie und die Taten

Agnès war 48 Jahre alt und als Assistentin für Katechismusunterricht tätig. Die vier Kinder waren Arthur (20, von Xavier im Alter von zwei Jahren adoptiert, IT-Student und Aushilfe in einer Pizzeria), Thomas (18, Musikstudent), Anne (16, Schülerin) und Benoît (13, Messdiener). Laut Obduktion wurden die vier jüngeren Familienmitglieder im Schlaf erschossen, nachdem sie zuvor Schlaftabletten erhalten hatten, mit einem Gewehr des Kalibers .22, das drei Monate zuvor in den Besitz der Familie gelangt war. Thomas, der zum Tatzeitpunkt nicht im Haus war, wurde nach Einschätzung der Ermittler erst am 5. April getötet. Die fünf Leichen wurden in Jutesäcke gewickelt, mit Löschkalk bedeckt und unter der Terrasse vergraben, ebenso die beiden Labradorhunde der Familie. Entdeckt wurden sie erst am 21. April 2011, nachdem Nachbarn und Angehörige tagelang keinen Kontakt mehr zur Familie gehabt hatten.

Indizien und mögliches Motiv

Gegen Xavier Dupont de Ligonnès sprechen mehrere Indizienketten. Im Dezember 2010 trat er einem Schießclub bei, im März 2011 kaufte er in mehreren Geschäften Schaufeln, Jutesäcke, Kalk und Zement, kurz vor der Tat beobachtete ein Nachbar ihn dabei, wie er große Säcke in sein Auto lud. Finanziell steckte er tief in Schwierigkeiten: Mehrere seiner Unternehmungen, darunter die Firma SELREF, blieben wirtschaftlich erfolglos und blieben in ihrem genauen Geschäftszweck bewusst vage, seine Bankkonten waren vor der Tat aufgelöst, und er schuldete einer früheren Geliebten rund 50.000 Euro. In einer E-Mail vom Januar 2010 soll er bereits „radikale Lösungen” wie Schlaftabletten und das Niederbrennen des Hauses angedeutet haben. Ein maschinengeschriebener, unsignierter Brief vom 11. April 2011 behauptete dagegen, er habe verdeckt für die US-Drogenbehörde DEA gearbeitet und die Familie befinde sich im Zeugenschutzprogramm, ein Erklärungsversuch, den weder Angehörige noch sein Anwalt für glaubwürdig halten und für den es keinerlei Beleg gibt.

Verschwinden und Fahndung

Am 8. April fand die letzte bekannte Internetaktivität aus dem Familienhaus statt, am 11. April verschickte Xavier Dupont de Ligonnès Kündigungsschreiben und stieg in einem Hotel in Toulouse ab. Am 14. und 15. April wurde er zuletzt in Roquebrune-sur-Argens gesehen, wo er an einem Geldautomaten Geld abhob und von der Überwachungskamera eines Hotels der Kette Formule 1 aufgenommen wurde, die letzte bestätigte Aufnahme von ihm. Das zurückgelassene Familienfahrzeug wurde dort gefunden. Interpol erließ im Mai 2011 eine Fahndungsmeldung. Seither reißen angebliche Sichtungen nicht ab, darunter eine Festnahme am Flughafen Glasgow 2019, bei der sich ein Mann mit gestohlenem Pass als Doppelgänger und nicht als Xavier Dupont de Ligonnès herausstellte, Videoaufnahmen aus einem Casino 2016, ein Kloster, das 2018 durchsucht wurde, sowie eine bislang unbestätigte mutmaßliche Sichtung in Texas, die 2026 erneut Schlagzeilen machte. Keine dieser Spuren führte bislang zu einer Festnahme.

Rechtlicher Status

Xavier Dupont de Ligonnès gilt formal als vermisst und wird als Zeuge, nicht als verurteilter Täter, per Interpol-Meldung gesucht. Er wurde nie angeklagt, vor Gericht gestellt oder für tot erklärt. Eine leitende Ermittlerin vertrat später die These, er könnte sich selbst das Leben genommen haben, sodass das Verfahren beim Fund einer Leiche ohne weitere Verdächtige automatisch eingestellt würde. Seine Schwester und der Familienanwalt bezweifeln zudem Teile der offiziellen Version: Gerichtsmediziner hätten sich beim genauen Todeszeitpunkt nicht festlegen können, die Körpermaße passten aus ihrer Sicht nicht eindeutig zu den Familienmitgliedern, und die Logistik des Falls werfe Fragen auf, etwa die Menge der umgegrabenen Erde und die geringe Deckenhöhe unter der Terrasse. Ungeachtet dieser Zweifel bleibt er 15 Jahre nach der Tat der mit Abstand meistgesuchte Mann Frankreichs, ohne dass eine gerichtsfeste Klärung seiner Rolle in Sicht wäre.