William Thomas Butler
- Aktive Jahre
- 1938
- Modus Operandi
- Erstechen
Innerhalb einer Stunde nach der Tat saß der Täter bereits in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Kingston und erzählte den Ärzten eine erfundene Geschichte über einen Motorradunfall. Die Schnittwunden an seinen Händen und ein am Tatort zurückgelassener Bowler-Hut sollten William Thomas Butler wenige Wochen später überführen.
Werdegang
William Thomas Butler, geboren 1909, war ein arbeitsloser Lkw-Fahrer aus Middlesex, der zuvor als Gemüsehändler gearbeitet hatte. Er lebte mit seiner Frau und zwei Kindern zusammen und hatte bereits eine Vorgeschichte kleinerer Diebstähle. Zwei Wochen vor der Tat ließ er sich gefälschte Visitenkarten drucken, die ihn als Kriminalbeamten der Londoner Polizei auswiesen, eine Täuschung, die zu seinem späteren Vorgehen passte.
Die Tat
Am Weihnachtsabend 1938 suchte er den 64-jährigen Juwelier Ernest Percival Key in dessen Geschäft an der Victoria Road in Surbiton auf. Nach eigener späterer Darstellung ging es um eine Schuld von 15 Pfund, die der Juwelier ihm angeblich nicht auszahlen wollte. Der Streit eskalierte, und er stach mehr als dreißigmal auf Kopf, Gesicht und Arme des Mannes ein. Der Juwelier erlag seinen Verletzungen noch auf dem Weg ins Krankenhaus, aus dem Geschäft war Schmuck entwendet worden.
Ermittlung
Am Tatort fand die Polizei einen zurückgelassenen Bowler-Hut. Der Pathologe Dr. Eric Gardner bestimmte anhand von Größe und Innenfutter Kopfform und Haarfarbe des Besitzers und verfolgte die Herkunft des Hutes bis zu einem Geschäft in Richmond zurück. Parallel dazu war aufgefallen, dass sich kurz nach der Tat ein Mann mit Schnittverletzungen an den Händen unter falschem Namen in einem Krankenhaus in Kingston hatte behandeln lassen und eine unglaubwürdige Geschichte über einen Unfall beim Holzbearbeiten erzählt hatte. Diese Spuren führten die Ermittler innerhalb von zwei Wochen zu ihm.
Prozess und Hinrichtung
Der Prozess fand am 15. Februar 1939 am Old Bailey statt. Die Verteidigung plädierte auf Notwehr und forderte einen Schuldspruch wegen Totschlags statt Mordes, die Geschworenen folgten dem nach zweitägiger Beratung nicht. Innenminister Herbert Morrison lehnte am 13. März ein Gnadengesuch ab, obwohl eine Petition mit rund 3.300 Unterschriften dafür geworben hatte. Am 29. März 1939 wurde er im Wandsworth-Gefängnis von Henker Thomas Pierrepoint gehängt.
Nachwirkungen
Der Fall erregte seinerzeit große mediale Aufmerksamkeit, vor allem wegen der ungewöhnlichen forensischen Methode, über einen einzelnen zurückgelassenen Hut auf Kopfform und Haarfarbe eines Verdächtigen zu schließen, eine für die Zeit bemerkenswerte Anwendung angewandter Pathologie in der Verbrechensaufklärung.