William Nelson Adams
- Aktive Jahre
- 1919
- Modus Operandi
- Erstechen
Ein einsamer älterer Mann, der einem jungen Streuner in einer Kneipe Essen und Getränke spendierte, wurde noch am selben Abend mit dessen Werkzeug ermordet. William Nelson Adams behauptete später, sein Opfer habe selbst um den Tod gebeten. Die Geschworenen glaubten ihm nicht, verurteilten ihn zum Tode, doch der britische Innenminister persönlich griff ein und bewahrte den 17-Jährigen vor dem Galgen.
Werdegang
William Nelson Adams wurde 1902 geboren und wuchs unter ärmlichen Verhältnissen im Süden Londons auf. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig überliefert, außer dass er sich 1919 als mittelloser junger Mann ohne feste Anstellung durchschlug und offenbar gelegentlich in der Nähe der Themse übernachtete. Dort lernte er den deutlich älteren George Jones kennen, der ihm Sympathie entgegenbrachte und ihn wiederholt zum Essen einlud.
Die Tat
Am Abend des 10. Juni 1919 saßen die beiden gemeinsam mit einem dritten Mann namens Charlie Smith in einer Kneipe im Süden Londons. Auf dem gemeinsamen Heimweg tötete der junge Mann seinen 59-jährigen Wohltäter mit einer Schusterahle, mehrfach in Brust und Kehle gestochen. Die Leiche wurde am folgenden Tag auf Sutton Common bei Cheam gefunden, ausgeraubt und in ihr eigenes Hemd gewickelt. Vor Gericht behauptete er später, sein Opfer selbst habe ihn wegen finanzieller Sorgen gebeten, ihn zu töten, eine Version, die Polizei und Geschworene für unglaubwürdig hielten.
Ermittlung und Prozess
Die Polizei konnte den angeblichen dritten Begleiter Charlie Smith trotz intensiver Suche nie ausfindig machen, was die Version des Angeklagten vom Tatabend zusätzlich erschütterte. Im Juli 1919 stand er vor den Assisen in Guildford wegen Mordes vor Gericht. Die Beweislage, insbesondere der Raub von Geld und persönlichen Gegenständen des Opfers, sprach klar gegen die Behauptung eines einvernehmlichen Tötungswunsches. Die Geschworenen sprachen ihn schuldig, und der Richter verhängte die zu dieser Zeit für Mord obligatorische Todesstrafe.
Begnadigung
Wegen seines jungen Alters von gerade einmal 17 Jahren zur Tatzeit wandelte der damalige britische Innenminister Edward Shortt das Todesurteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe um, eine in dieser Zeit keineswegs selbstverständliche Entscheidung. Über sein weiteres Schicksal in Haft ist nichts dokumentiert. Der Fall zählt zu den zahlreichen, heute fast vergessenen Kapitalverbrechen des frühen 20. Jahrhunderts, in denen britische Innenminister noch von Fall zu Fall über Gnade oder Vollstreckung eines Todesurteils entschieden, bevor Großbritannien die Todesstrafe für Mord Jahrzehnte später endgültig abschaffte.