William Jones
- Aktive Jahre
- 1910
- Modus Operandi
- ErwürgenStumpfe Gewalt
An einem Maiabend 1910 hört eine Anwohnerin im Sunderländer Arbeiterviertel Millfield ein Stöhnen aus dem Hinterhof eines kleinen Cottages. Sie findet einen blutüberströmten Mann, der sich selbst die Kehle aufgeschnitten hat. Im Haus dahinter liegen fünf weitere Menschen, seine Frau und ihre vier gemeinsamen Kinder, alle tot. An der Wand steht mit Bleistift geschrieben: „Revenge is sweet”, Rache ist süß. Der Fall William Jones zählt zu den frühesten dokumentierten Familienmorden im England des 20. Jahrhunderts.
Werdegang
William Jones wurde 1877 geboren und lebte mit seiner Familie in einem kleinen Haus in der Ailsbury Street im Sunderländer Stadtteil Millfield. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Zum Zeitpunkt der Tat war er mit Suzanna Jones verheiratet, gemeinsam hatten sie vier Kinder: den achtjährigen James, die siebenjährige Polly, die fünfjährige Suzanna und die einjährige Alice. Was genau ihn in den Wochen vor der Tat belastete, ist historisch nicht überliefert, Zeitungsberichte der Zeit deuteten auf eheliche und finanzielle Spannungen hin.
Die Tat
In der Nacht zum 22. Mai 1910 tötete William Jones seine gesamte Familie in ihrem Zuhause. Er schlug seiner schlafenden Frau mit stumpfer Gewalt den Schädel ein und durchschnitt anschließend seinen vier Kindern nacheinander die Kehle. Bevor er das Haus verließ, schrieb er die Worte „Revenge is sweet” mit Bleistift an die Wand. Im Hinterhof versuchte er dann, sich selbst durch einen Schnitt in den Hals das Leben zu nehmen, überlebte den Versuch jedoch.
Ein Passant namens Ralph Hutchinson entdeckte ihn dort blutend und alarmierte die Behörden. Erst danach fand man im Haus die Leichen der Ehefrau und der vier Kinder.
Prozess und Urteil
Die Justiz eröffnete am 25. Juni 1910 vor den Durham Assizes das Verfahren gegen William Jones. Angesichts der offensichtlichen geistigen Zerrüttung des Angeklagten sprach ihn das Gericht „schuldig, aber unzurechnungsfähig” (guilty but insane), was ihn vor der zu dieser Zeit sonst üblichen Todesstrafe bewahrte. Stattdessen ordnete das Gericht seine unbefristete Einweisung in eine psychiatrische Anstalt „nach dem Wohlwollen Seiner Majestät” an.
Nachwirkungen
William Jones verbrachte den Rest seines Lebens in staatlicher psychiatrischer Verwahrung, sein genaues Todesdatum ist nicht überliefert. Der Fall gehört zu den am besten dokumentierten britischen Familienmorden der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und zeigt, wie unzureichend das damalige Rechtssystem auf schwere psychische Krisenzustände innerhalb von Familien reagieren konnte.