William Horncy
- Aktive Jahre
- 2003
- Modus Operandi
- EntführungKomplizen
Ein erfolgreicher Speditionsunternehmer verschwindet spurlos, wenig später auch seine Frau, seine Schwiegermutter und seine beiden Babysöhne. Monate vergehen, bis erste Leichen an britischen Stränden angespült werden. Die beiden jüngsten Opfer, ein acht Wochen und ein achtzehn Monate altes Kind, wurden nie gefunden.
Hintergrund
William Horncy stammte aus Bournemouth an der englischen Südküste und hatte zuvor als Buchhalter gearbeitet. 1999 wurde er bereits verurteilt, weil er internationalen Kriminellen falsche Identitäten verschafft hatte. Über den vorbestraften Drogenhändler Kenneth Regan, den er im Gefängnis kennengelernt hatte, geriet er in Kontakt mit dem Geschäftsmann Amarjit Chohan, der in Hounslow im Westen Londons die Spedition CIBA Freight betrieb.
Die Tat
Am 13. Februar 2003 lockte Kenneth Regan den 45-jährigen Amarjit Chohan zu einem Treffen bei Stonehenge, wo er ihn fesselte, knebelte und zwang, eine Nachricht für seine Frau aufzunehmen. Ziel der Bande war die Übernahme von CIBA Freight, um das Unternehmen als Tarnung für den Import von Drogen zu nutzen. Am 14. Februar verschwanden auch seine 24-jährige Frau Nancy, seine aus Indien zu Besuch weilende 51-jährige Schwiegermutter Charanjit Kaur sowie die beiden Söhne des Paares, der acht Wochen alte Devinder und der achtzehn Monate alte Ravinder. Amarjit Chohan wurde zuletzt am 16. Februar 2003 in Salisbury lebend gesehen. William Horncy war an der Entführung, der Ermordung der gesamten Familie und der Beseitigung der Leichen maßgeblich beteiligt. Die genaue Todesursache der Opfer ließ sich später nicht mehr zweifelsfrei feststellen.
Beseitigung der Leichen
Die fünf Leichen wurden zunächst auf einem Bauernhof bei Tiverton in der Grafschaft Devon vergraben und später, an Ostern 2003, wieder ausgegraben und ins Meer geworfen. Amarjit Chohans Leiche wurde im April 2003 vor Bournemouth Pier entdeckt, die seiner Frau im Juli desselben Jahres in der Poole Bay, die seiner Schwiegermutter im November auf der Isle of Wight. Die Leichen der beiden Kleinkinder blieben bis heute verschwunden.
Ermittlung
Nancy Chohans Bruder Onkar Verma, der in Neuseeland lebte, alarmierte über eine E-Mail an die Metropolitan Police die britischen Ermittler, nachdem der Kontakt zur Familie abgebrochen war. In Amarjit Chohans Socke fand die Polizei einen an Kenneth Regan adressierten Brief, datiert auf den 12. Februar, der andeutete, dass er seine eigene Ermordung bereits geahnt und seine Mörder benannt hatte. Es folgte eine der intensivsten Fahndungen in der Geschichte von Scotland Yard. William Horncy floh schließlich nach Belgien, wurde dort aber aufgespürt und nach Großbritannien ausgeliefert.
Prozess
Der Prozess am Old Bailey in London dauerte acht Monate und gilt als der längste Mordprozess in der Geschichte der Metropolitan Police. Richter Stephen Mitchell verurteilte William Horncy und Kenneth Regan am 1. Juli 2005 wegen aller fünf Morde zu lebenslanger Haft ohne jede Aussicht auf Entlassung. Der Richter nannte die Taten „einzigartig grauenhaft” und verwies besonders auf die „kaltblütige Ermordung eines acht Wochen alten Babys und eines achtzehn Monate alten Kleinkindes”. Ein dritter Angeklagter, Peter Rees, der beim Ausheben des Grabes auf dem Bauernhof geholfen hatte, wurde nur wegen des Mordes an Amarjit Chohan verurteilt und erhielt 23 Jahre Haft.
Nachwirkungen
William Horncy sitzt weiterhin in Haft, seine Freilassung gilt als ausgeschlossen. 2008 zählte er zu den rund fünfzig Häftlingen in England und Wales mit einem „whole life tariff”, also ohne jede Aussicht auf eine Entlassung. Der Fall gilt als eines der brutalsten Beispiele organisierter Kriminalität in der jüngeren britischen Geschichte, gerade wegen der gezielten Auslöschung einer ganzen Familie samt zweier Kleinkinder für die Übernahme eines Speditionsunternehmens.