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William Henry Kennedy

Luftaufnahme des Gefängnisses HM Prison Wandsworth in London, wo William Henry Kennedy 1928 hingerichtet wurde
Thomas Nugent, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
1
Opfer
hingerichtet
Mörder — London , Großbritannien
Aktive Jahre
1927
Modus Operandi
ErschießenKomplizen

Ein handgeschriebenes Geständnis, verfasst auf Drängen der eigenen Frau, brachte am Ende zwei Männer an den Galgen. William Henry Kennedy hatte gehofft, sich mit seiner Aussage als bloßer Mitwisser herauszureden. Stattdessen lieferte er den Ermittlern genau die Details, die auch ihn selbst überführten: die Geschichte eines gestohlenen Wagens, eines Routine-Halts und zweier Schüsse, die 1927 einen unbewaffneten Polizisten das Leben kosteten.

Werdegang

William Henry Kennedy wurde 1891 in Ayrshire, Schottland, als Sohn irischer Einwanderer geboren. Er durchlief schon jung ein Wechselbad aus Gelegenheitsjobs, unter anderem als Schriftsetzer, und wiederholten Haftstrafen wegen Raub, Körperverletzung und öffentlichen Ärgernisses, oft unter wechselnden Aliasnamen. Er behauptete zudem eine Verbindung zur irisch-republikanischen Sinn Féin. 1927 stellte ihn der Autowerkstattbesitzer Frederick Guy Browne in dessen Garage am Lavender Hill in Clapham als Handlanger und Buchhalter ein. Die beiden Männer kannten sich aus der gemeinsamen kriminellen Vergangenheit.

Die Tat

In der Nacht zum 27. September 1927 fuhr William mit seinem Arbeitgeber in einem zuvor in Billericay gestohlenen blauen Morris Cowley durch Essex. Gegen 3:30 Uhr stoppte der Polizeibeamte George William Gutteridge, 36 Jahre alt, den Wagen nahe Stapleford Abbotts zu einer Routinekontrolle. Frederick, der am Steuer saß, schoss dem Beamten zweimal in die Wange und feuerte anschließend noch einmal in jedes Auge des bereits tödlich Getroffenen. William behauptete später, von der Schusswaffe nichts gewusst zu haben und selbst überrascht worden zu sein. Die beiden ließen den Wagen im Londoner Stadtteil Stockwell zurück und trennten sich.

Flucht und Festnahme

Während sich die Ermittlungen über Monate hinzogen und schließlich über eine Patronenhülse und aufwendige Ballistik-Untersuchungen zu seinem Arbeitgeber führten, war William bereits nach Liverpool geflohen. Dort spürte ihn die Polizei am 25. Januar 1928 auf. Bei der Festnahme versuchte er, auf einen der ermittelnden Beamten zu schießen, verfehlte ihn aber. In der Haft verfasste er auf Anraten seiner Ehefrau ein schriftliches Geständnis, in dem er seine Rolle als Fahrer und Mitwisser einräumte und detailliert schilderte, wie sein Arbeitgeber den Wagen gestohlen und den Polizisten erschossen hatte. Diese Aussage belastete beide Männer erheblich.

Prozess und Hinrichtung

Der gemeinsame Prozess fand vom 23. bis 28. April 1928 am Old Bailey vor Richter Horace Avory statt. Während Frederick die Tat bis zuletzt bestritt, stützte sich die Anklage maßgeblich auf Williams eigenes Geständnis. Am 28. April 1928 wurden beide Männer des Mordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Am 31. Mai 1928 um neun Uhr morgens wurde William Henry Kennedy im Gefängnis Wandsworth durch den Henker Thomas Pierrepoint gehängt, zur selben Stunde wie sein Komplize im Pentonville-Gefängnis. Beide erhielten anonyme Gräber innerhalb der jeweiligen Gefängnismauern.

Nachwirkungen

Der Fall ging als „gehängt durch ein Mikroskop” in die britische Rechtsgeschichte ein, weil erstmals mikroskopische Kratzspuren auf einer Patronenhülse einen Täter überführten. Ausführlicher zur forensischen Seite des Falls und zur Rolle seines Komplizen als Schütze im Profil Frederick Guy Browne. Das Verbrechen hatte noch eine zweite, unerwartete Folge: Weil Zeugen am Tatort vergeblich versuchten, telefonisch Hilfe zu rufen, weil ein Busfahrer ohne Bargeld kein öffentliches Münztelefon nutzen konnte, trug der Fall mit dazu bei, dass Großbritannien wenige Jahre später den kostenlosen Notruf 999 einführte.