William Henry Bury
- Aktive Jahre
- 1889
An einem Sonntagabend im Februar 1889 betrat ein Mann die Polizeiwache von Dundee und verkündete, er sei Jack the Ripper und wolle sich der Polizei stellen. Die Beamten hielten das zunächst für die Aussage eines Verwirrten, bis sie in seiner Wohnung eine zusammengekauerte Frauenleiche in einer Holzkiste fanden. William Henry Bury hatte tatsächlich gerade seine Ehefrau ermordet. Ob er wirklich der bis heute nicht identifizierte Frauenmörder aus dem Londoner East End war, ließ sich nie beweisen, seine eigene Tat dagegen schon.
Werdegang
Geboren wurde er am 25. Mai 1859 im englischen Stourbridge. Sein Vater starb bei einem Kutschunfall, als er noch ein Kleinkind war, seine Mutter wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen und starb 1864. Ein Onkel übernahm seine Erziehung, eine Armenschule seine Ausbildung. Später arbeitete er als Lagerarbeiter und in einer Schlossfabrik, bis er wegen Diebstahls entlassen wurde.
1887 lernte er in London die 1856 geborene Ellen kennen, die vermutlich als Prostituierte arbeitete und bei einem Vermieter namens James Martin als Hausangestellte beschäftigt war. Nach kurzem Zusammenleben heirateten die beiden am 2. April 1888 in der Bromley Parish Church. Die Ehe war von Beginn an gewalttätig: Nur wenige Tage nach der Hochzeit ertappte die Vermieterin ihn dabei, wie er kniend auf seiner Frau lag und drohte, ihr mit einem Messer die Kehle aufzuschneiden. Ellen hatte von einer Tante Eisenbahnaktien geerbt, die sie verkaufte, um seine Schulden zu decken, gegen Ende 1888 hatten sich die Finanzen der beiden dennoch drastisch verschlechtert.
Die Tat
Im Januar 1889 belog er seine Frau mit einer angeblichen Arbeitsstelle in Dundee, um sie zum Umzug nach Schottland zu bewegen. Wenige Tage nach der Ankunft erwürgte er sie mit einem Strick und fügte ihrer Leiche anschließend mit einem Taschenmesser mehrere Stichverletzungen am Unterleib zu. Um die Tat zu verbergen, brach er ihr rechtes Bein, damit die Leiche in eine Holzkiste passte, die er im Keller der gemeinsamen Wohnung versteckte.
Am Abend des 10. Februar 1889 ging er selbst zur Polizeiwache in der Bell Street und behauptete zunächst, seine Frau habe sich das Leben genommen. Fünf hinzugezogene Ärzte stellten fest, dass sie von hinten erwürgt worden war, die Messerstiche waren nach übereinstimmender Einschätzung der meisten Gutachter innerhalb weniger Minuten nach dem Tod zugefügt worden.
Der Jack-the-Ripper-Verdacht
Mehrere Umstände nährten den Verdacht, in Dundee sei der gesuchte Ripper gefasst worden: Von Oktober 1887 bis Januar 1889 hatte das Ehepaar im Londoner Stadtteil Bow gewohnt, unweit von Whitechapel, wo der Ripper zwischen 1888 und 1889 mindestens fünf Frauen tötete. Die kanonischen Morde endeten im November 1888, kurz bevor das Paar London verließ, und die nachträglich zugefügten Bauchverletzungen erinnerten oberflächlich an das Vorgehen des Rippers. In der leerstehenden Wohnung fand sich zudem die Kritzelei „Jack Ripper is at the back of this door”, Nachbarn wollten Ellen zudem einmal sagen gehört haben, „Jack the Ripper is quiet now”.
Dagegen sprach, dass Ellen erwürgt und nicht wie die Londoner Opfer mit durchschnittener Kehle getötet wurde, dass die Bauchwunden vergleichsweise wenige und flache waren, und dass Scotland Yard ihn selbst nach eingehender Prüfung nicht als ernsthaften Verdächtigen einstufte. Er selbst bestritt zeitlebens jede Beteiligung an den Whitechapel-Morden, obwohl er den Mord an seiner eigenen Frau gestand. Bis heute wurden mehr als hundert weitere Ripper-Verdächtige vorgeschlagen, ohne dass sich einer davon zweifelsfrei belegen ließ.
Prozess und Hinrichtung
Die Anklage erfolgte am 18. März 1889, er plädierte auf nicht schuldig. Der Prozess vor dem High Court of Justiciary begann am 28. März unter Richter Lord Young. Die Geschworenen sprachen ihn zunächst mit einer Gnadenempfehlung schuldig, angesichts widersprüchlicher medizinischer Gutachten zum genauen Zeitpunkt der Stichverletzungen, wurden dann aber zur erneuten Beratung aufgefordert und kamen einstimmig zum gleichen Schuldspruch, diesmal ohne Empfehlung.
Am 24. April 1889 wurde er im Gefängnis von Dundee gehängt, die letzte Hinrichtung, die in der Stadt je vollstreckt wurde. Kurz vor seinem Tod gestand er, seine Frau im Streit um Geld in betrunkenem Zustand getötet zu haben, und dass er versucht habe, die Leiche zu zerteilen, dies aber nicht über sich gebracht habe.
Nachwirkungen
Ob William Henry Bury tatsächlich Jack the Ripper war, bleibt eine von vielen ungeklärten Theorien zu einem der berühmtesten Fälle der Kriminalgeschichte. Gesichert ist nur der Mord, für den er tatsächlich verurteilt und hingerichtet wurde.