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William Heirens

genannt „Lipstick Killer"

William Heirens vor Gericht, September 1946
Joe Migon / Chicago Herald-American, via Wikimedia Commons · Public Domain (Urheberrecht nicht verlängert)
3
Opfer
„Lipstick Killer"
verstorben
SerienmörderChicago , USA
Aktive Jahre
1945–1946

William Heirens wurde 1946 im Alter von 17 Jahren für drei Morde in Chicago verurteilt, darunter die Zerstückelung der sechsjährigen Suzanne Degnan. An einem Tatort hinterließ der Täter mit Lippenstift die Nachricht „Um Gottes willen, verhaftet mich, bevor ich erneut töte, ich habe mich nicht unter Kontrolle”, was ihm den Beinamen „Lipstick Killer” einbrachte. Später bestritt er die Taten bis zu seinem Tod 2012 und saß als am längsten inhaftierter Strafgefangener des Bundesstaats Illinois ein. Vertreter der Northwestern University bewerteten sein Geständnis als erzwungen und die Verurteilung als Fehlurteil, juristisch entlastet wurde er jedoch nie.

Werdegang

Er wurde am 15. November 1928 in Evanston, Illinois, geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einer von Streit geprägten Familie im Chicagoer Vorort Lincolnwood auf. Bereits als Jugendlicher fiel er durch Diebstähle auf, mit 13 Jahren wurde er mit einer geladenen Schusswaffe festgenommen, insgesamt wurden ihm elf Einbrüche nachgewiesen. Trotz dieser Vorgeschichte wurde er in ein spezielles Förderprogramm der University of Chicago aufgenommen und arbeitete nebenbei als Platzanweiser, während er weiterhin Einbrüche beging.

Kriminelle Aktivitäten

Am 5. Juni 1945 wurde die 43 Jahre alte Josephine Ross erstochen in ihrer Chicagoer Wohnung aufgefunden, ihr Kopf war in ein Kleidungsstück gewickelt, es fehlte nichts. Am 10. Dezember 1945 wurde eine weitere Frau, Frances Brown, mit einer Messerwunde im Hals und einer Schusswunde am Kopf tot in ihrer Badewanne gefunden, an der Wand stand in Lippenstift die später berühmt gewordene Nachricht. Am 7. Januar 1946 wurde die sechsjährige Suzanne Degnan aus ihrem Kinderzimmer in Edgewater entführt, ihre zerstückelten Überreste fanden sich in mehreren Kanalschächten in der Nähe ihres Zuhauses, zuvor war ein Lösegeldschreiben über 20.000 US-Dollar hinterlegt worden.

Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):

  1. Josephine Ross (43), erstochen am 5. Juni 1945 in Chicago
  2. Frances Brown, erstochen und erschossen am 10. Dezember 1945
  3. Suzanne Degnan (6), entführt und zerstückelt am 7. Januar 1946

Ermittlung und Festnahme

Die Polizei verfolgte zunächst mehrere andere Verdächtige, darunter den 65 Jahre alten Hausmeister Hector Verburgh, der 48 Stunden lang brutal verhört und geschlagen wurde, später aber entlastet wurde und eine Entschädigung von 15.000 US-Dollar erhielt, sowie den Krankenpfleger Richard Russell Thomas, der zeitweise gestand, sein Geständnis später jedoch widerrief. Am 26. Juni 1946 wurde der damals 17-jährige Heirens wegen eines versuchten Einbruchs festgenommen. Bei der anschließenden Vernehmung, die er später als tagelange, gewaltsame Dauerbefragung schilderte, wurde ihm ohne richterliche Anordnung und ohne Einwilligung seiner Eltern das Wahrheitsserum Natrium-Pentothal verabreicht, unter dessen Einfluss angeblich eine zweite Persönlichkeit namens „George” von den Taten gesprochen haben soll.

Prozess

Am 4. September 1946 bekannte er sich im Rahmen einer Absprache schuldig und wurde zu drei aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Später erklärte er, das Geständnis sei unter dem Druck der Verhöre und in der Erwartung abgelegt worden, dadurch einer Hinrichtung zu entgehen. Die Urteile wurden nie aufgehoben.

Nachwirkungen

Er absolvierte in Haft als erster Insasse Illinois’ einen Hochschulabschluss und leitete zeitweise eine gefängniseigene Bekleidungsfabrik mit 350 Insassen. Das Center on Wrongful Convictions der Northwestern University unterstützte später seine Darstellung eines erzwungenen Geständnisses und verwies auf Zweifel an zentralen Beweisen. Gerichte und die Bewährungskommission ließen die Verurteilung dennoch bestehen; eine letzte Bewährungsanhörung 2007 endete mit einer einstimmigen Ablehnung. Heirens starb am 5. März 2012 im Alter von 83 Jahren an den Folgen von Diabetes, nach 65 Jahren Haft. Der Fall zählt bis heute zu den umstrittensten Mordverurteilungen der amerikanischen Rechtsgeschichte.

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