William Hare
- Aktive Jahre
- 1827–1828
Sechzehn Menschen starben durch seine Hand, doch vor Gericht musste er sich für keinen einzigen von ihnen verantworten. Als Kronzeuge gegen seinen Geschäftspartner William Burke kaufte sich William Hare mit einem vollständigen Geständnis die eigene Straffreiheit, während sein Komplize am Galgen endete. Was aus ihm danach wurde, weiß bis heute niemand mit Sicherheit.
Werdegang
Geboren wurde er vermutlich zwischen 1792 und 1804 nahe Newry in der irischen Provinz Ulster, sein genaues Geburtsjahr ist nicht überliefert. Bei seiner Verhaftung 1828 gab er sein Alter mit 21 Jahren an. In Schottland betrieb er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Margaret Laird eine einfache Unterkunft in der Tanner’s Close im Edinburgher West Port. Bei der Ernte im nahen Penicuik lernte er im Jahr 1827 William Burke kennen, der mit seiner eigenen Partnerin bald bei ihm einzog. Beide Paare fielen in der Nachbarschaft schnell durch lautes Trinken und Streit auf.
Der Beginn und die gemeinsame Methode
Als im November 1827 ein Untermieter der Herberge, der noch Miete schuldete, an Wassersucht starb, verkauften die beiden Männer die Leiche heimlich für sieben Pfund und zehn Schilling an den Edinburgher Anatomieprofessor Robert Knox. Aus diesem einmaligen Geschäft wurde binnen weniger Wochen ein System. Zwischen Februar und Oktober 1828 töteten sie gemeinsam mindestens fünfzehn weitere Menschen, meist Obdachlose, Kranke oder stark Betrunkene, die in der Herberge Unterschlupf suchten. Die Vorgehensweise war eingespielt: Zunächst machten sie ihre Opfer mit Whisky betrunken, dann hielt einer Mund und Nase zu, während der andere sich quer über den Brustkorb legte, um Atmung und Gegenwehr gleichzeitig zu unterbinden. Diese Methode des Erstickungsmordes ging später als „Burking” in die englische Sprache ein.
Verhaftung und Kronzeugenschaft
Am 1. November 1828 fanden zwei Untermieter die blutverschmierte Leiche des letzten Opfers, der Irin Margaret Docherty, und alarmierten trotz eines angebotenen Schweigegelds die Polizei. Beide Paare wurden festgenommen. Am 1. Dezember 1828 bot die Staatsanwaltschaft ihm Immunität vor Strafverfolgung an, sollte er als Kronzeuge ein vollständiges Geständnis über sämtliche sechzehn Todesfälle ablegen. Er nahm an und sagte vor Gericht aus, sein Komplize allein habe das Opfer getötet, er selbst habe nur beim Abtransport der Leiche geholfen.
Freilassung und ungeklärtes Schicksal
Während William Burke am 28. Januar 1829 vor rund 25.000 Zuschauern gehängt wurde, kam er selbst am 5. Februar 1829 frei. Verkleidet brachte man ihn mit der Postkutsche nach Dumfries, wo er von einer aufgebrachten Menge erkannt und bedrängt wurde. Danach verliert sich seine Spur. Gerüchte, wonach er später als blinder Bettler in der Londoner Oxford Street gesehen worden sei, ließen sich nie verifizieren. Sein weiteres Leben und sein Todesdatum blieben unbekannt.
Nachwirkungen
Die Immunität, die ihm die Aussage gegen seinen Komplizen sicherte, gilt bis heute als einer der umstrittensten Aspekte des Falls: Ein Mann, der an mindestens sechzehn Morden aktiv beteiligt war, entkam jeder Strafe, während sein Partner allein am Galgen für die Taten beider büßte. Die Empörung über diese Ungleichbehandlung trug mit dazu bei, dass das britische Parlament 1832 den Anatomy Act verabschiedete, der den legalen Zugang zu Leichen für die medizinische Ausbildung neu regelte und dem organisierten Leichenhandel die Grundlage entzog.