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William Corder

genannt „Der Mörder von der Roten Scheune"

Zeitgenössisches Porträt von William Corder während seines Prozesses 1828, gezeichnet von Charles Hancock
British Museum / Wikimedia Commons · Public Domain
1
Opfer
„Der Mörder von der Roten Scheune"
hingerichtet
TotschlägerPolstead , Großbritannien
Aktive Jahre
1827
Modus Operandi
Erschießen

Monatelang hielten Ann Marten ihre Träume nicht in Ruhe: Immer wieder sah sie ihre verschwundene Stieftochter tot in einer Scheune liegen. Als ihr Mann schließlich nachgab und dort nachgrub, fand er genau das, wovor seine Frau geträumt hatte. Der Fall um William Corder und den Mord in der Roten Scheune von Polstead wurde zu einem der meisterzählten Kriminalfälle des viktorianischen Englands.

Werdegang

William Corder wurde um 1803 als Sohn eines wohlhabenden Bauern im südenglischen Polstead, Suffolk, geboren. Schon in der Schule trug er den Spitznamen „Foxey”, weil er als durchtrieben und verschlagen galt. Als junger Mann verkaufte er betrügerisch Schweine seines Vaters, fälschte einen Scheck über 93 Pfund und beteiligte sich am Diebstahl eines weiteren Schweins gemeinsam mit dem örtlich bekannten Dieb Samuel „Beauty” Smith.

Die Beziehung mit Maria Marten und die Tat

Im März 1826 begann William eine heimliche Beziehung mit der 24-jährigen Maria Marten aus demselben Dorf, die bereits Kinder aus früheren Beziehungen hatte. 1827 brachte sie ein gemeinsames Kind zur Welt, das kurz darauf starb. Er soll trotzdem weiter geplant haben, sie zu heiraten. Am 18. Mai 1827 schlug er vor, sich in der sogenannten Roten Scheune zu treffen, um von dort gemeinsam nach Ipswich zu fliehen und zu heiraten. Maria verließ das Haus ihrer Familie in Richtung der Scheune und wurde nie wieder lebend gesehen. Auch er verschwand aus Polstead, schrieb der Familie jedoch Briefe, in denen er behauptete, es gehe ihr in Ipswich gut. Tatsächlich hatte er sie in der Scheune erschossen. Kurz darauf heiratete er in London eine Frau namens Mary Moore, die er über eine Zeitungsannonce mit mehr als hundert Antworten kennengelernt hatte.

Der Traum und die Entdeckung

Marias Stiefmutter Ann berichtete monatelang von wiederkehrenden Träumen, in denen ihre Stieftochter ermordet in der Roten Scheune lag. Am 19. April 1828 überredete sie ihren Mann, dort nachzugraben. Die sterblichen Überreste kamen tatsächlich zum Vorschein, halb verwest, in einen Sack gewickelt, ein grünes Halstuch aus seinem Besitz noch um den Hals geschlungen.

Festnahme und Prozess

Ein örtlicher Constable und der Londoner Polizeibeamte James Lea verfolgten die Spur bis zu einem Pensionat in Brentford, das der Gesuchte inzwischen mit seiner neuen Ehefrau führte. Der Prozess begann am 7. August 1828 in Bury St. Edmunds. Die genaue Todesursache ließ sich nicht zweifelsfrei klären, Schuss-, Stich- und Strangulationsverletzungen standen im Raum. Die Geschworenen benötigten nur 35 Minuten für ihren Schuldspruch. Zwei Tage vor der Hinrichtung gestand William schließlich, Maria während eines Streits erschossen zu haben, Messerstiche stritt er bis zuletzt ab.

Hinrichtung und Nachwirkungen

Am 11. August 1828 wurde William Corder in Bury St. Edmunds vor einer Menschenmenge von schätzungsweise 7.000 bis 20.000 Zuschauern gehängt. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Ich bin schuldig, mein Urteil ist gerecht, ich verdiene mein Schicksal.” Der Leichnam wurde anschließend seziert, seine gegerbte Haut zum Einbinden eines Buches über den Mordfall verwendet, sein Skelett zunächst im West Suffolk Hospital ausgestellt und erst 2004 eingeäschert. Der Fall entwickelte eine eigene kleine Industrie: Verkäufer setzten über eine Million Flugblätter mit der Geschichte ab, allein 1828 besuchten schätzungsweise 200.000 Schaulustige das Dorf Polstead, und die Rote Scheune selbst wurde bis auf die Bretter abgetragen und als Souvenir verkauft. Bis heute leben Ballade, Theaterstück und Legende um Maria Marten und ihren Mörder in England fort.

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