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Wilhelm Boger

Block 11 im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz I
Wikimedia Commons / Diether · CC BY-SA 3.0
1124
Opfer
verstorben
KriegsverbrecherAuschwitz , Deutschland
Aktive Jahre
1943–1945
Modus Operandi
ErschießenStumpfe Gewalt

Als der Aufstand des Sonderkommandos im Konzentrationslager Auschwitz längst niedergeschlagen war, erschoss Wilhelm Boger gemeinsam mit einem weiteren SS-Mann 100 wehrlose Gefangene. Das Frankfurter Schwurgericht wertete diese Tat als Rache, nicht als Befehl. Insgesamt sprach es ihn wegen 114 Morden schuldig.

Karriere in Polizei und SS

Wilhelm Friedrich Boger wurde am 19. Dezember 1906 in Stuttgart geboren. Nach der mittleren Reife absolvierte er eine kaufmännische Lehre. Früh schloss er sich nationalistischen Organisationen an, 1929 trat er der NSDAP und der SA bei, ein Jahr später der SS.

Ab 1933 arbeitete er bei der württembergischen politischen Polizei und stieg zum Kriminalkommissar auf. Während des Krieges war er bei Staatspolizeistellen im besetzten Polen tätig. Nach einer Verurteilung wegen Beihilfe zur Abtreibung verlor er Rang und Polizeistellung. Ende 1942 wurde er nach einer Verwundung nach Auschwitz versetzt.

Die Politische Abteilung

In Auschwitz arbeitete Wilhelm Boger in der Politischen Abteilung, der Lager-Gestapo. Er bearbeitete Fluchtfälle, führte Verhöre und nahm an Selektionen sowie Erschießungen teil. In den Verhören setzte er schwere Gewalt ein, um Aussagen zu erzwingen. Mehrere Gefangene starben an den Misshandlungen.

Die Biographie des Fritz Bauer Instituts zeichnet den Weg vom Kriminalbeamten zum Angehörigen der Lager-Gestapo nach. Nach der Räumung von Auschwitz setzte Wilhelm Boger seine Tätigkeit im Konzentrationslager Mittelbau-Dora fort und bewachte im April 1945 Todesmärsche.

Die Urteilsbegründung des Frankfurter Schwurgerichts stellte fünf eigenhändige und 109 gemeinschaftlich begangene Morde fest. Außerdem verurteilte das Gericht ihn wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 1.010 Menschen. Bei den 100 Erschießungen nach dem Krematoriumsaufstand sahen die Richter niedrige Beweggründe, weil die Gefangenen bereits eingesperrt und ungefährlich waren.

Acht Jahre unbehelligt

Nach Kriegsende gelangte Wilhelm Boger nach Ludwigsburg. Zeitweise befand er sich in alliierter Haft, entkam jedoch 1948 während einer geplanten Überstellung nach Polen. Ab 1950 arbeitete er in einer Flugzeugfabrik in Stuttgart-Zuffenhausen.

Eine Strafanzeige des früheren Auschwitz-Häftlings Adolf Rögner brachte 1958 neue Ermittlungen in Gang. Am 8. Oktober desselben Jahres wurde Wilhelm Boger festgenommen. Er blieb bis zum Prozess in Untersuchungshaft.

Lebenslang im Zuchthaus

Der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess machte seine individuellen Taten innerhalb des Vernichtungssystems zum Gegenstand einer öffentlichen Hauptverhandlung. Der Urteilstenor vom August 1965 nennt 114 Morde sowie zwei Fälle der Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord. Das Gericht verhängte lebenslanges Zuchthaus und zusätzlich fünf Jahre.

Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil 1969. Wilhelm Boger kam nicht mehr frei. Er starb am 3. April 1977 während der Strafhaft in einem Krankenhaus in Bietigheim.

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