Alex Wiens
- Mörder — Dresden , Deutschland
- Aktive Jahre
- 2009
- Modus Operandi
- Erstechen
Am 1. Juli 2009 erstach der damals 28-jährige Alex Wiens während einer Berufungsverhandlung im Landgericht Dresden die schwangere Ägypterin Marwa El-Sherbini mit 18 Messerstichen. Die Tat geschah aus Hass auf ihre Religion und Herkunft und löste international Entsetzen und Proteste aus.
Werdegang
Er wurde um 1980/81 in der Sowjetunion geboren und kam als Russlanddeutscher im Rahmen der Spätaussiedlung nach Deutschland, wo er in Dresden lebte. Vor der Tat war er strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.
Der Streit auf dem Spielplatz
Am 21. August 2008 traf er auf einem Spielplatz im Dresdner Stadtteil Johannstadt auf Marwa El-Sherbini, die dort mit ihrem kleinen Sohn eine der beiden Schaukeln nutzen wollte. Als sie ihn höflich bat, eine der besetzten Schaukeln freizugeben, reagierte er aggressiv, beschimpfte die junge Mutter als „Schlampe”, „Islamistin” und „Terroristin” und drohte, ihrem Sohn beim Schaukeln etwas anzutun. Marwa erstattete daraufhin Anzeige wegen Beleidigung und Bedrohung. Das Amtsgericht Dresden verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 780 Euro, der Staatsanwaltschaft erschien das Urteil zu milde, sie legte Berufung ein.
Die Tat im Gerichtssaal
Zur Berufungsverhandlung am 1. Juli 2009 vor dem Landgericht Dresden war Marwa als Zeugin geladen, gemeinsam mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Sohn, der als Zuschauer im Saal saß. Während sie im Zeugenstand aussagte, zog der Angeklagte ein zuvor beschafftes Messer und stach 18-mal auf sie ein. Ihr Ehemann versuchte einzugreifen und wurde dabei selbst mehrfach niedergestochen. Ein alarmierter Polizeibeamter, der den verletzten Ehemann in der Verwirrung für den Angreifer hielt, schoss zusätzlich auf ihn und verletzte ihn. Marwa starb noch am Tatort, ihr Ehemann überlebte schwer verletzt. Der Täter wurde direkt im Gerichtssaal überwältigt und festgenommen.
Prozess und Urteil
Der Prozess vor dem Landgericht Dresden endete am 9. November 2009 mit einem Urteil wegen Mordes und versuchten Mordes: lebenslange Freiheitsstrafe. Das Gericht stellte zusätzlich die besondere Schwere der Schuld fest, da die Tat aus niedrigen Beweggründen (Fremden- und Islamfeindlichkeit) sowie heimtückisch begangen wurde, sich gegen zwei Menschen richtete, vor den Augen des gemeinsamen Kindes geschah und noch dazu in einem Gerichtsgebäude verübt wurde.
Nachwirkungen
Der Mord löste international Entsetzen aus, insbesondere in Ägypten und weiteren muslimisch geprägten Ländern, wo Marwa vielerorts als „Kopftuch-Märtyrerin” bezeichnet wurde. Bei ihrer Beisetzung in Alexandria nahmen tausende Menschen teil, in mehreren Ländern kam es zu Protesten vor deutschen Botschaften. Der Fall belastete die deutsch-ägyptischen Beziehungen erheblich und wird bis heute als einer der prägendsten Fälle antimuslimischer Gewalt in Deutschland diskutiert. In Dresden erinnert seit 2010 ein nach ihr benanntes Kultur- und Bildungszentrum an sie. Zu Marwas Leben und den Nachwirkungen der Tat siehe die Schlagzeile Mord an Marwa El-Sherbini: Tödliche Messerattacke im Dresdner Gerichtssaal.