Werner Pinzner
- Aktive Jahre
- 1984–1986
- Modus Operandi
- ErschießenKomplizen
Werner Pinzner tötete zwischen 1984 und 1985 als Auftragsmörder im Hamburger Rotlichtmilieu mehrere Menschen. Am 29. Juli 1986 erschoss er während einer Vernehmung im Hamburger Polizeipräsidium zunächst den ermittelnden Staatsanwalt, dann seine eigene Ehefrau und zuletzt sich selbst, ein Vorfall, der bundesweit für Aufsehen sorgte und in Hamburg zum Rücktritt zweier Senatoren führte.
Werdegang
Er wurde am 27. April 1947 in Hamburg-Bramfeld geboren, verließ die Schule ohne Abschluss und fuhr in den 1960er-Jahren zur See. 1975 beteiligte er sich an einem Supermarktüberfall, bei dem ein Mensch starb, und wurde dafür zu zehn Jahren Haft verurteilt. Während der Haftzeit in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel und später im offenen Vollzug in Vierlande knüpfte er Kontakte ins Rotlichtmilieu und verschaffte sich einen Revolver, den er bis zu seiner Entlassung im Juli 1984 in seinem Zellenschrank aufbewahrte. Nach der Haft blieb ihm der direkte Zugang zum lukrativen Bordellgeschäft verwehrt, stattdessen arbeitete er fortan als Auftragskiller, vor allem für den Zuhälter Peter Nusser, genannt „Wiener-Peter”.
Die Taten
Innerhalb von rund 14 Monaten tötete er im Auftrag mehrere Personen aus dem Rotlichtmilieu. Am 7. Juli 1984 erschoss er in Kiel den ehemaligen Bordellbesitzer Jehuda Arzi, beauftragt von dessen Ex-Frau und Tochter für 40.000 D-Mark. Am 12. September 1984 tötete er in einer Hamburger Tiefgarage den Bordellbesitzer Peter Pfeilmaier. Im November 1984 wurde der Bordellbetreiber Dietmar Traub in einem Waldstück bei München erschossen. An Ostermontag 1985 folgten in Hamburg-Schnelsen die Morde an Waldemar Dammer und Ralf Kühne. Insgesamt gestand er später acht Taten, äußerte in Vernehmungen aber auch Zahlen von bis zu elf Toten, Ermittler gingen von noch mehr möglichen Opfern aus, ohne dass sich alle Fälle abschließend klären ließen.
Festnahme
Eine seit den späten 1970er-Jahren bestehende Sonderkommission gegen organisierte Kriminalität identifizierte ihn unter anderem anhand der charakteristischen Drallspuren seines Revolvers sowie durch Zeugenaussagen zweier Prostituierter. Am 15. April 1986 wurde er gemeinsam mit einem Komplizen sowie „Wiener-Peter” festgenommen, die Tatwaffe wurde sichergestellt. Zunächst wurde ihm nur der Mord an Peter Pfeilmaier zur Last gelegt. Er verlangte daraufhin ein Gespräch mit dem zuständigen Staatsanwalt Wolfgang Bistry und erklärte sich bereit, auszusagen.
Die Schüsse im Polizeipräsidium
Am 29. Juli 1986 fand im Hamburger Polizeipräsidium am Berliner Tor die entscheidende Vernehmung statt, anwesend waren neben ihm seine Ehefrau Jutta, seine Anwältin, zwei Polizeibeamte, eine Protokollantin und Staatsanwalt Wolfgang Bistry. Seine Frau hatte mit Unterstützung der Anwältin eine Pistole in den Vernehmungsraum geschmuggelt. Er ergriff die Waffe und erschoss zunächst den Staatsanwalt, verschanzte sich anschließend im Raum und telefonierte mit seiner Tochter, bevor er seine Ehefrau und zuletzt sich selbst erschoss. Drei Menschen starben bei dem Vorfall: Wolfgang Bistry, Jutta Pinzner und er selbst.
Nachwirkungen
Die Tat löste in Hamburg erhebliche politische Konsequenzen aus: Sowohl der Innensenator als auch die Justizsenatorin traten am 6. August 1986 zurück, bei der folgenden Bürgerschaftswahl verlor die SPD die Regierungsmehrheit knapp an die CDU. Eine im Dezember 1986 durchgeführte Großrazzia mit rund 350 Beamten in mehreren Städten führte zu weiteren Festnahmen im Umfeld des Falls, ein mutmaßlicher Hintermann setzte sich nach Costa Rica ab. Im Hamburger Polizeipräsidium wurden in der Folge Sicherheitsschleusen eingeführt. Werner Pinzner wurde auf dem Burgtorfriedhof in Lübeck beigesetzt, sein Fall gilt bis heute als eines der folgenreichsten Verbrechen der Hamburger Nachkriegsgeschichte.