Volkert van der Graaf
- Aktive Jahre
- 2002
- Modus Operandi
- Erschießen
Volkert van der Graaf erschoss am 6. Mai 2002 den niederländischen Politiker Pim Fortuyn vor einem Rundfunkstudio in Hilversum, neun Tage vor der Parlamentswahl, bei der dessen Partei als aussichtsreich galt. Es war das erste politische Attentat in den Niederlanden seit fast 300 Jahren. Er wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt und 2014 auf Bewährung entlassen.
Werdegang
Er wurde am 9. Juli 1969 in Middelburg in der niederländischen Provinz Zeeland geboren. Nach seinem Studium in Wageningen engagierte er sich als überzeugter Veganer für Tier- und Umweltschutz und gründete 1992 die Organisation Vereniging Milieu Offensief mit, über die er zahlreiche Rechtsstreitigkeiten gegen Verstöße in der industriellen Tierhaltung und der Pelzindustrie führte. In seinem Umfeld galt er als ruhig, akribisch und ideologisch gefestigt.
Motiv und Tat
Er sah in Pim Fortuyn, der mit scharfer Rhetorik gegen den Islam und die Zuwanderung Wahlkampf führte, eine Gefahr für gesellschaftlich schwache Gruppen und war überzeugt, dass der Politiker Muslime und Einwanderer gezielt als Sündenböcke instrumentalisierte. Am 6. Mai 2002 wartete er auf dem Parkplatz vor den Studios des Senders 3FM in Hilversum, wo dieser kurz zuvor ein Interview gegeben hatte. Mit einer illegalen halbautomatischen Pistole des Typs Star Firestar M43 gab er sechs Schüsse ab, fünf davon trafen ihr Ziel, der Politiker starb noch am Tatort. Dessen Fahrer Hans Smolders nahm sofort die Verfolgung auf, wenig später wurde Volkert van der Graaf von eintreffenden Polizeibeamten festgenommen.
Prozess und Urteil
Der Prozess vor dem Bezirksgericht Amsterdam begann am 27. März 2003. Am 15. April 2003 wurde er wegen Mordes zu 18 Jahren Haft verurteilt. Vor Gericht sagte er aus, mit der Tat habe er verhindern wollen, dass der Politiker schwache Teile der Gesellschaft zur Profilierung im Wahlkampf missbrauche.
Nachwirkungen
Er wurde am 2. Mai 2014 nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe auf Bewährung entlassen, seine Bewährungszeit endete am 30. April 2020. Seither lebt er unter keinerlei Auflagen mehr in Apeldoorn. Die Ermordung Pim Fortuyns löste in den Niederlanden eine tiefe politische Krise aus und gilt bis heute als Zäsur in der niederländischen Nachkriegsgeschichte. Nur einen Tag nach der Tat berief sich in Brüssel auch Hendrik Vyt bei seinem rassistisch motivierten Doppelmord auf diesen Mord als vermeintliche Rechtfertigung. Mehr zum Attentat selbst und seinen politischen Folgen: Mord an Pim Fortuyn.