Vlado Chernozemski
- Aktive Jahre
- 1924–1934
- Modus Operandi
- Erschießen
Vlado Chernozemski, geboren am 19. Oktober 1897 in Kamenitsa (heute Teil von Welingrad, Bulgarien) unter dem Namen Welitschko Dimitrow Kerin, war ein bulgarischer Nationalist und Auftragsmörder der Inneren Mazedonischen Revolutionären Organisation (IMRO). Am 9. Oktober 1934 erschoss er in Marseille König Alexander I. von Jugoslawien und den französischen Außenminister Louis Barthou, bevor er selbst noch am Tatort von Passanten und der Polizei erschlagen wurde.
Werdegang
Um 1922 schloss er sich der IMRO an, einer Untergrundorganisation, die die Abspaltung Makedoniens von Jugoslawien mit allen Mitteln erzwingen wollte. Er stieg zum persönlichen Leibwächter und Fahrer des IMRO-Anführers Iwan Michailow auf und beging in dessen Auftrag mehrere politische Morde: 1924 tötete er den kommunistischen Funktionär Dimo Hadschidimow, 1932 das IMRO-Mitglied Naum Tomalewski, das dem linken Flügel der Organisation angehörte. Für den ersten Mord wurde er 1928 zum Tode verurteilt, für den zweiten 1932 erneut, beide Male kam er jedoch durch Amnestien wieder frei. Anschließend wurde er zur kroatischen Ustascha-Bewegung geschickt, wo er eine paramilitärische Ausbildung erhielt. Auf einem Foto aus dieser Zeit trug er auf dem Unterarm eine Tätowierung mit einem Totenkopf über gekreuzten Schienbeinen und der kyrillischen Inschrift „Freiheit oder Tod“, darüber die Initialen der IMRO.
Das Attentat von Marseille
Am 9. Oktober 1934 besuchte der jugoslawische König Alexander I. Marseille zu einem Staatsbesuch, empfangen vom französischen Außenminister Louis Barthou. Beide fuhren in einem offenen Wagen durch die Innenstadt. Er wartete am Straßenrand, durchbrach im Auftrag der Ustascha, die mit der IMRO im Bündnis stand, die Polizeiabsperrung, sprang auf das Trittbrett des Wagens und feuerte mit einer Mauser C96 das komplette Magazin auf den König, den Außenminister, den mitfahrenden General Alphonse Georges und einen Polizisten ab. Der König starb noch im Wagen, der Außenminister kurz darauf an seinen Schussverletzungen. Nach unterschiedlichen Quellen kamen bei dem Attentat insgesamt bis zu fünf Menschen ums Leben, darunter auch Schaulustige, weitere sieben wurden verletzt.
Tod
Unmittelbar nach den Schüssen wurde er von einem berittenen französischen Polizisten mit dem Säbel niedergeschlagen und anschließend von der aufgebrachten Menge zusammengeschlagen. Schwer verletzt starb er noch am selben Abend gegen 22 Uhr auf einer Polizeiwache in Marseille, zehn Tage vor seinem 37. Geburtstag, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.
Nachwirkungen
Das Attentat von Marseille gehört zu den ersten politischen Morden, die per Filmkamera dokumentiert wurden, die Aufnahmen der Schießerei gingen um die Welt. In kroatischen und makedonischen nationalistischen Kreisen wurde Vlado Chernozemski danach als Märtyrer verehrt, in seinem Geburtsort Kamenitsa erinnern bis heute Straßennamen und ein Gedenkstein an ihn. Politisch beschleunigte die Tat die Annäherung zwischen Frankreich und dem faschistischen Italien, das der Beteiligung an der Vorbereitung des Anschlags verdächtigt wurde, und trug zur diplomatischen Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs bei.