Vitali Kalojew
- Totschläger — Kloten , Schweiz
- Aktive Jahre
- 2004
- Modus Operandi
- Erstechen
Vitali Kalojew, 1956 in Wladikawkas in Nordossetien geboren, war als Architekt in Barcelona tätig, als am 1. Juli 2002 seine Frau Swetlana und seine beiden Kinder Konstantin und Diana bei einem Flugzeugunglück über dem Bodensee ums Leben kamen. Zwei Jahre später suchte er in der Schweiz gezielt den für die Flugsicherung zuständigen Fluglotsen auf und erstach ihn vor dessen Haus.
Das Unglück von Überlingen
Am 1. Juli 2002 kollidierte der Passagierjet der Bashkirian Airlines, mit dem seine Familie unterwegs war, über süddeutschem Gebiet mit einem Frachtflugzeug der DHL. Bei dem Zusammenstoß starben alle 71 Menschen an Bord beider Maschinen, darunter seine Ehefrau, sein zehnjähriger Sohn und seine vierjährige Tochter. Ursache war unter anderem, dass der einzige zu diesem Zeitpunkt im Kontrollraum der Schweizer Flugsicherung Skyguide diensthabende Fluglotse, der Däne Peter Nielsen, mit der Überwachung mehrerer Sektoren gleichzeitig überlastet war, während zeitgleich Wartungsarbeiten am automatischen Warnsystem liefen. Der Fluglotse wurde in der offiziellen Untersuchung des Unglücks später nicht als allein schuldig eingestuft, zog sich aber aus dem Beruf zurück.
Die Tat
Vitali reiste am 24. Februar 2004 nach Kloten im Kanton Zürich, wo der Fluglotse wohnte, und suchte ihn vor dessen Haus auf. In dem folgenden Streit erstach er den 36-Jährigen mit einem etwa 22 Zentimeter langen Klappmesser. Am nächsten Tag wurde er in seinem Hotelzimmer festgenommen. Er gab an, sich an die eigentliche Tat nicht mehr erinnern zu können.
Prozess und Freilassung
Am 26. Oktober 2005 verurteilte ihn ein Zürcher Gericht wegen vorsätzlicher Tötung zu acht Jahren Haft. Im Berufungsverfahren reduzierte das Obergericht die Strafe im Juli 2007 unter Berücksichtigung einer verminderten Schuldfähigkeit auf fünf Jahre und drei Monate. Am 8. November 2007 kam er frei.
Nachwirkungen
Nach seiner Rückkehr nach Nordossetien wurde Vitali Kalojew wenig später zum stellvertretenden Minister für Wohnungsbau und Bauwesen der russischen Teilrepublik ernannt, ein Amt, das ihm in Teilen der russischen Öffentlichkeit den Ruf eines zu Unrecht verfolgten, trauernden Vaters statt eines verurteilten Totschlägers einbrachte. 2016 wurde er beim Ausscheiden aus dem Amt mit der höchsten Auszeichnung Nordossetiens geehrt.