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Violette Nozière

Violette Nozière, Porträtaufnahme aus dem Jahr 1933
Wikimedia Commons, Auktionshaus Ader-Nordmann, Fotograf unbekannt · Public Domain (Frankreich, anonymes Werk, über 70 Jahre alt)
1
Opfer
verstorben
TotschlägerParis , Frankreich
Aktive Jahre
1933
Modus Operandi
Vergiftung

Violette Nozière wurde am 11. Januar 1915 im französischen Neuvy-sur-Loire geboren und starb am 26. November 1966 im nordfranzösischen Le Petit-Quevilly. Im August 1933 vergiftete die damals 18-Jährige in Paris ihre beiden Eltern mit Schlafmitteln, ihr Vater starb, ihre Mutter überlebte. Der anschließende Prozess wurde zu einem der meistbeachteten Kriminalfälle Frankreichs der Zwischenkriegszeit.

Werdegang

Violette wuchs teils bei ihrer Großmutter, teils bei ihren Eltern im 12. Arrondissement von Paris auf. Ihr Vater Baptiste Nozière arbeitete als Lokomotivführer, die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen in der Rue de Madagascar. Sie besuchte zunächst das renommierte Lycée Fénelon im Quartier Latin, wurde jedoch im Sommer 1931 von der Schule verwiesen.

Danach begann für die junge Frau ein Doppelleben. Gegenüber ihren Eltern gab sie sich weiterhin als Schülerin aus, tatsächlich zog sie durch Pariser Cafés und Hotels, hatte wechselnde ältere Liebhaber und finanzierte sich zeitweise durch Prostitution. Um 1932 infizierte sie sich mit Syphilis. Im Juni 1933 lernte sie den Studenten Jean Dabin kennen, den sie finanziell unterstützte, während sie selbst von einer gemeinsamen Flucht an die Côte d’Azur träumte. Das nötige Geld dafür hatte sie nicht, ihren Eltern erzählte sie derweil, ein älterer Herr an der Sorbonne habe ihr eine größere Summe geschenkt.

Taten

Im März 1933 unternahm Violette einen ersten Vergiftungsversuch: Sie verabreichte ihren Eltern ein Schlafmittel, das angeblich vom Arzt verschrieben worden war. Beide überlebten. Am 21. August 1933 wiederholte sie die Tat mit einer deutlich höheren Dosis Veronal, einem Barbiturat, das sie den Eltern nach dem gemeinsamen Sonntagessen in Wein auflöste. Anschließend öffnete sie in der Wohnung in der Rue de Madagascar den Gashahn, um die Tat als Suizid der Eltern erscheinen zu lassen. Ihr Vater starb an den Folgen der Vergiftung, ihre Mutter überlebte schwer geschädigt.

Ermittlung und Festnahme

Zunächst gingen die Ermittler tatsächlich von einem Doppelselbstmord aus. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung stellte jedoch massive Veronal-Rückstände in beiden Weingläsern der Wohnung fest, außerdem eine gefälschte ärztliche Notiz und fehlende 4.000 Francs aus dem Haushalt. Inspektor Marcel Guillaume übernahm die Ermittlungen und stieß rasch auf Widersprüche in Violettes Alibi. Sie war nach der Tat geflohen und hielt sich unter dem Pseudonym „Christiane d’Arfeuil” in verschiedenen Hotels versteckt, wurde aber am 28. August 1933 gefasst.

Vor Gericht behauptete sie, ihr Vater habe sie sexuell missbraucht und sie sei von ihm schwanger gewesen, eine Behauptung, die sie 1937 selbst zurücknahm und die sich ärztlich nie bestätigen ließ.

Prozess und Verurteilung

Der Prozess vor den Assisen der Seine begann am 10. Oktober 1934 und erregte landesweites Aufsehen, unter anderem widmeten die Surrealisten um André Breton der Angeklagten bereits 1933 eine literarische Hommage, die sie als Opfer einer bürgerlichen Familie darstellte. Am 13. Oktober 1934 wurde Violette des Vatermords für schuldig befunden und zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Ihre eigene Mutter trat im Prozess auf, bat um Gnade für die Tochter, reichte zugleich aber Klage wegen Ehrverletzung gegen die verstorbenen und lebenden Familienangehörigen ein.

Am 24. Dezember 1934 wandelte Staatspräsident Albert Lebrun das Todesurteil in lebenslange Haft um, später wurde die Strafe auf zwölf Jahre reduziert. Violette saß unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen im Pariser Frauengefängnis Petite-Roquette ein, ein aufgebrachter Mob hatte zeitweise versucht, das Gefängnis zu stürmen.

Nachwirkungen

Am 29. August 1945 wurde Violette Nozière aus der Haft entlassen. 1946 heiratete sie Pierre Garnier, das Paar bekam fünf Kinder und ließ sich in der Nähe von Rouen nieder. Im März 1963 wurde sie durch ein Gericht in Rouen rehabilitiert. Sie starb am 26. November 1966 an Krebs.

Der Fall inspirierte neben der surrealistischen Hommage von 1933 auch den 1978 erschienenen Spielfilm „Violette Nozière” des Regisseurs Claude Chabrol und blieb in Frankreich bis heute ein vielzitiertes Beispiel für einen Vatermord aus Motiven persönlicher Befreiung.

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