Vincenzo Verzeni
- Aktive Jahre
- 1870–1871
- Modus Operandi
- ErwürgenNekrophilie
Nicht allein das Urteil machte Vincenzo Verzeni bekannt, sondern die Deutung des Gutachters Cesare Lombroso. Nach dem Prozess zeichnete Lombroso eine intime Beichte auf und formte daraus das Bild eines „Vampirs“ – ein Quellenproblem, das bis heute zwischen den nachgewiesenen Taten und ihrer kriminalanthropologischen Ausschmückung steht.
Zwei Morde
Am 8. Dezember 1870 verschwand die 14-jährige Giovanna Motta zwischen Suisio und Bottanuco. Ihre Leiche wurde zwei Tage später gefunden. Am 27. August 1871 wurde die 28-jährige Elisabetta Pagnoncelli bei Bottanuco getötet. Beide Frauen waren erwürgt und ihre Körper nach dem Tod schwer verletzt worden.
Verzeni wurde außerdem wegen des versuchten Mordes an seiner Cousine Marianna angeklagt. Weitere Angriffe wurden ihm zugeschrieben, sind aber von den beiden Mordverurteilungen zu trennen.
Prozess und Lombrosos Rolle
1873 stand Verzeni in Bergamo vor Gericht. Lombroso wirkte als forensischer Gutachter mit und erklärte ihn im damaligen Sinn für zurechnungsfähig. Das Gericht verurteilte Verzeni wegen zweifachen Mordes und eines Mordversuchs zu lebenslanger Zwangsarbeit.
Die drastischen Aussagen über Beißen, Bluttrinken und sexuelle Erregung stammen vor allem aus der von Lombroso nach dem Urteil aufgezeichneten Beichte, nicht aus einem wörtlich gesicherten Geständnis vor Gericht. Lombrosos Theorie des „geborenen Verbrechers“ gilt heute als wissenschaftlich überholt; seine Darstellung darf deshalb nicht unkritisch als neutrale Prozessdokumentation gelesen werden.
Späteres Leben
Unterlagen aus Lombrosos Korrespondenz zeigen, dass Verzenis Familie um 1903 seine Freilassung betrieb. Sein weiterer Lebensweg ist nur lückenhaft dokumentiert. Die Gemeinde Bottanuco erklärte ihn zum 31. Dezember 1918 für verstorben.