Václav Mrázek
- Aktive Jahre
- 1951–1956
- Modus Operandi
- ErschießenStumpfe GewaltNekrophilieVergewaltigungEinbruch
Zwischen 1951 und 1956 tötete ein tschechoslowakischer Fabrik- und Kurbetriebsangestellter im Raum Chomutov sieben Frauen und Mädchen, um sich anschließend sexuell an ihren Leichen zu vergehen. Die Mordserie löste 1955 die Gründung der ersten spezialisierten Ermittlungskommission in der Geschichte des Landes aus und blieb dennoch anderthalb Jahre lang ungeklärt.
Werdegang
Václav Mrázek wurde am 22. Oktober 1925 in Svinařov bei Kladno geboren, als eines von zwölf Kindern einer verarmten Familie, zeitweise musste die Familie sogar in einem ausrangierten Eisenbahnwaggon schlafen. Er besuchte nur wenige Schulklassen und begann schon als Kind zu stehlen, 1941 saß er deswegen 18 Monate im Gefängnis. 1946 nahm er an einem Militärkonvoi nach Rumänien und Bulgarien teil, wo er nach eigenen späteren Angaben Plünderungen und sexuelle Übergriffe auf Frauen miterlebte und sich teils selbst daran beteiligte. Später arbeitete er als Angestellter in einem Kurbad und in Bergwerken, Kollegen beschrieben ihn übereinstimmend als eigenartig und schüchtern, zugleich aber als pflichtbewusst und fleißig. Er hatte über Jahre eine feste Partnerin, mit der er gemeinsame Kinder hatte, was seine spätere Enttarnung erschwerte.
Die Taten
Am 22. August 1951 erschlug er die 15 Jahre alte Hana Chloubová nahe Drahonice mit einem Holzstück und verging sich anschließend an der Leiche, ein Muster sexueller Nekrophilie, das sich durch alle folgenden Taten zog. Am 16. September 1951 erschoss er die 32 Jahre alte Bronislava Pajúrková auf einer Straße zwischen Jirkov und Kyjice. Am 1. Juni 1952 schoss er auf zwei junge Frauen, Elena Mermanová überlebte die Attacke, während die 16 Jahre alte Marie Dvořácková an ihren Schussverletzungen starb. Am 14. Juli 1954 erschoss er die 16 Jahre alte Jiřina Helmichová bei Černice. Am 9. August 1955 tötete er ein Liebespaar, den 26 Jahre alten Karel Trlifaj und die 19 Jahre alte Libuše Dufková, die sich zunächst tot gestellt hatte, ehe er auch sie erschoss. Am 9. November 1956 erschlug er schließlich die 57 Jahre alte Alžběta Beranová bei einem Einbruch in ihrem Haus in Svinařov mit einer Axt, während er deren zehnjährige Enkelin sexuell missbrauchte, sie jedoch am Leben ließ.
Neben den Tötungen beging er über Jahre hinweg zahlreiche weitere sexuelle Übergriffe, unter anderem an Mädchen im Grundschulalter, die er nach eigener Aussage bewusst am Leben ließ, weil er ihre Tötung für „nutzlos“ hielt.
Ermittlung und Festnahme
Nach den Morden von 1955 richteten die tschechoslowakischen Behörden erstmals in der Landesgeschichte eine eigene Sonderkommission ein, die rund 25.000 Verdächtige überprüfte, ihn aber wegen seines unauffälligen Auftretens und seiner geregelten Arbeitsstelle zunächst übersah. Erst am 17. März 1957 wurde er zufällig gefasst, als er bei einer Durchsuchung wegen eines Diebstahls in einem Bergwerk in Libušín ertappt wurde. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung fanden Ermittler eine am Tatort Alžběta Beranovás gestohlene Haarschneidemaschine sowie eine Walther-PP-Pistole, deren Ballistik zu mehreren Tatwaffen passte. Zunächst stritt er alles ab, gestand die Taten aber, nachdem ihm die ballistischen Beweise vorgehalten wurden.
Prozess und Hinrichtung
Vor Gericht wurde er wegen sieben vollendeter Morde, vier weiterer Mordversuche und 14 Vergewaltigungen verurteilt, insgesamt umfasste die Anklage 127 Straftaten. Er selbst war überzeugt gewesen, die Todesstrafe existiere in der Tschechoslowakei nicht mehr, und hatte höchstens mit zehn Jahren Haft gerechnet. Am 29. Dezember 1957 wurde er im Gefängnis Pankrác in Prag durch den Strang hingerichtet.
Nachwirkungen
Der Fall gilt bis heute als einer der brutalsten in der Kriminalgeschichte der Tschechoslowakei und wurde mehrfach künstlerisch verarbeitet, unter anderem im Spielfilm „Vrah skrývá tvář“ (1966) und der Dokumentation „Hrdelní zločiny“ (2001).