Udo Proksch
- Aktive Jahre
- 1977
- Modus Operandi
- SprengstoffanschlagBetrug
Udo Proksch wurde am 29. Mai 1934 in Rostock geboren und starb am 27. Juni 2001 in Graz. Als gefeierter Wiener Designer und Geschäftsmann ließ er 1977 den Frachter Lucona im Indischen Ozean durch eine Bombe versenken, um eine millionenschwere Versicherungssumme für eine frei erfundene Schiffsladung zu kassieren. Sechs Besatzungsmitglieder starben dabei. Die anschließende Lucona-Affäre entwickelte sich zu einem der größten Politskandale der österreichischen Nachkriegsgeschichte.
Werdegang
Nach seiner Übersiedlung nach Wien machte er sich zunächst als Designer einen Namen, unter anderem entwarf er Brillenfassungen für Marken wie Carrera und Porsche Design. Ab 1974 führte er das traditionsreiche Wiener Kaffeehaus Demel. Unter dem Pseudonym „Serge Kirchhofer“ und als Gründer des exklusiven Klubs 45, dem zahlreiche Politiker vor allem der SPÖ angehörten, verfügte er über einflussreiche Kontakte bis in höchste Regierungskreise. Er war zeitweise mit der Schauspielerin Erika Pluhar verheiratet.
Die Lucona-Affäre
1976 charterte er den Frachter Lucona und versicherte die angebliche Ladung, eine Anlage zur Verarbeitung von Uranerz, für umgerechnet rund 20 Millionen US-Dollar. Tatsächlich transportierte das Schiff nur Schrott und eine wertlose Kunststoffanlage. Am 23. Januar 1977 sank die Lucona nach einer Explosion im Indischen Ozean. Sechs Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, sechs weitere überlebten schwer traumatisiert.
Ermittlung, Flucht und Festnahme
Der Wrackjäger David Mearns lokalisierte später das gesunkene Schiff und erbrachte damit den Nachweis der Sabotage. Investigative Journalisten, allen voran Hans Pretterebner, deckten den Betrug öffentlich auf, wurden dabei aber lange von einflussreichen Mitgliedern des Klubs 45 behindert, mehrere ehemalige Minister wurden später wegen Urkundenfälschung und Behinderung der Ermittlungen verurteilt. Eine erste Festnahme im Februar 1985 wegen Betrugsverdachts endete bereits wenige Tage später mit seiner Freilassung. Nach neuen Enthüllungen 1987 floh er über Asien auf die Philippinen, ließ sich dort unter dem Namen „Serge Kirchhofer“ operieren, um sein Gesicht zu verändern, und tauchte unter. Am 2. Oktober 1989 wurde er unter dem falschen Namen „Alfred Semrad“ am Flughafen Wien festgenommen.
Prozess
Der Prozess zog sich über Jahre und zählt zu den längsten der österreichischen Justizgeschichte. 1991 wurde er wegen sechsfachen Mordes und sechsfachen Mordversuchs zu 20 Jahren Haft verurteilt, das Urteil wurde 1992 auf lebenslange Haft verschärft.
Nachwirkungen
Er starb am 27. Juni 2001 in der Justizanstalt Graz-Karlau an den Folgen einer Herzoperation. Die Lucona-Affäre führte 1988 sogar zur Einsetzung eines eigenen parlamentarischen Untersuchungsausschusses und gilt bis heute als Musterbeispiel für die Verstrickung von organisierter Kriminalität mit politischer Macht in Österreich.