Tímea Faludi
- Aktive Jahre
- 2000–2001
- Modus Operandi
- Vergiftung
Zwischen Mai 2000 und Februar 2001 tötete eine Krankenschwester am psychiatrischen Gyula-Nyírő-Krankenhaus in Budapest mehrere ihrer Patienten mit überdosierten Injektionen. Wegen ihrer dunklen Dienstkleidung erhielt sie in der ungarischen Presse den Beinamen „Schwarzer Engel“. Acht Todesfälle konnten ihr am Ende zweifelsfrei zugeordnet werden, sie selbst hatte zunächst deutlich mehr gestanden.
Werdegang
Tímea Faludi arbeitete seit 1994 als Krankenschwester in der psychiatrischen Abteilung des Gyula-Nyírő-Krankenhauses, einer Klinik für Nerven- und Suchterkrankungen im Budapester Stadtteil Angyalföld. Sie war für ihre Nachtschichten bekannt, in denen sie schwerkranke und teils sterbende Patienten betreute. Kollegen beschrieben sie später als eine Frau, die sich in ihrem Beruf zunehmend die Rolle einer letzten Instanz über Leben und Tod ihrer Patienten zuschrieb.
Die Taten
Ab Mai 2000 begann sie, todkranken und alten Patienten ohne ärztliche Anordnung intravenöse Injektionen mit Morphin und starken Beruhigungsmitteln zu verabreichen, eine Handlung, die examiniertem Pflegepersonal in Ungarn ausdrücklich untersagt war. Sie begründete ihr Vorgehen später damit, das Leiden der Betroffenen habe sie nicht mehr ertragen können. Ein bestellter Gerichtspsychiater kam dagegen zu dem Schluss, sie habe sich „innerlich wie Gott“ gefühlt und eigenmächtig Entscheidungen getroffen, die eigentlich Ärzten und den Patienten selbst zugestanden hätten.
Nach ihrer Festnahme gestand sie gegenüber der Polizei zunächst, im Tatzeitraum bis zu 40 Patienten getötet zu haben. Vor Gericht widerrief sie dieses umfassende Geständnis wieder und räumte nur noch acht Fälle ein. Da sich die Ermittler letztlich nur bei acht Todesfällen sicher waren, dass die Injektionen ursächlich für den Tod waren, blieb es bei dieser Zahl als gerichtlich festgestelltem Ausmaß der Taten, auch wenn Kollegen und Ermittler von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgingen.
Entdeckung und Festnahme
Auffällig wurde sie, weil sich Todesfälle im Krankenhaus über Monate hinweg auffällig oft mit ihren Schichten deckten. Den entscheidenden Hinweis lieferte schließlich eine Kollegin, die sie dabei beobachtete, wie sie einer Patientin ohne ärztliche Anweisung eine intravenöse Injektion setzte, und die Beobachtung an die Krankenhausleitung und die Polizei meldete. Am 19. Februar 2001 wurde Tímea Faludi festgenommen.
Prozess und Urteil
Der Prozess zog sich von Mai bis Dezember 2002 hin. Am 2. Dezember 2002 verurteilte das Gericht sie zunächst zu neun Jahren Haft, ein Berufungsgericht erhöhte das Strafmaß in der endgültigen Entscheidung später auf elf Jahre. Zusätzlich wurde ihr ein lebenslanges Berufsverbot als Krankenschwester auferlegt. Da Sterbehilfe in Ungarn ausdrücklich verboten ist, wertete das Gericht ihr Mitleidsmotiv nicht als Rechtfertigung.
Nachwirkungen
Tímea Faludi wurde im Juni 2009 wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen, nach etwas mehr als acht Jahren Freiheitsstrafe. Über ihr weiteres Leben danach ist öffentlich nichts bekannt. Der Fall gilt in der ungarischen Rechtsgeschichte bis heute als eines der bekanntesten Beispiele für einen sogenannten „Todesengel“ im Gesundheitswesen, eine Tätergruppe, bei der Pflegepersonal die eigene Zugriffsmöglichkeit auf hilflose Patienten zu wiederholten, meist als vermeintliche Gnadenakte verbrämten Tötungen missbraucht.