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Thomas Rung

genannt „Pinocchio"

Die Silbersteinstraße in Berlin-Neukölln, Ort zweier der ersten Taten
Assenmacher, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
7
Opfer
„Pinocchio"
inhaftiert
SerienmörderBerlin , Deutschland
Aktive Jahre
1983–1995

Thomas Rung wurde am 3. Januar 1961 in West-Berlin als sechstes von sieben Kindern geboren. Zwischen 1983 und 1995 tötete er sieben Menschen in Berlin, darunter seinen eigenen Stiefbruder, und gilt als einer der gefährlichsten Serienmörder der Stadt seit Kriegsende. Wegen einer seiner ersten Taten saß zunächst ein Unschuldiger sechs Jahre lang zu Unrecht im Gefängnis.

Werdegang

In seiner Kindheit herrschten Gewalt und Strenge. Sein Vater trank stark und bestrafte die Kinder hart, seine Mutter verließ die Familie, als er zwei Jahre alt war. Anschließend führte eine Stiefmutter, in der Verwandtschaft nur „Tante Hilde” genannt, das Regiment und sprach die Strafen aus, die der Vater dann vollstreckte. Er besuchte eine Sonderschule und fiel bereits dort durch Zusammenbrüche und Verletzungen anderer Kinder auf. In den Jahren vor seiner Festnahme 1995 wurde er mehrfach wegen Einbruchs und Körperverletzung verurteilt. In der Haft gaben ihm Mitgefangene wegen seiner langen Nase den Spitznamen „Pinocchio”.

Taten

Zwischen 1983 und 1995 tötete er sechs Frauen und seinen Stiefbruder Eckhard Trutti. Die Opfer wurden erwürgt, ertränkt oder erstickt, mehrere zuvor beraubt oder vergewaltigt. Bekannt sind unter anderem:

  1. Oktober 1983: Melanie Scharnow, 77, seine Vermieterin, in der Silbersteinstraße in Berlin-Neukölln
  2. November 1983: Susanne Matthes, 22, Studentin, ebenfalls in der Silbersteinstraße
  3. Frieda Kramer, 85
  4. Josefine Großer, 62
  5. Helga Klinner, 58
  6. Eckhard Trutti, sein Stiefbruder
  7. Gabriele Propper, 34

Weil zwischen den einzelnen Taten Jahre lagen und ein einheitliches Muster fehlte, gelang es der Polizei lange nicht, die Fälle miteinander in Verbindung zu bringen, DNA-Analysen in der heutigen Form standen zudem noch nicht zur Verfügung.

Ein Unschuldiger im Gefängnis

Für den Mord an seiner Vermieterin 1983 wurde zunächst Michael Mager verurteilt und saß sechs Jahre lang unschuldig in Haft. Erst nachdem der wahre Täter 1995 gestanden hatte, kam die Wahrheit ans Licht. Der zu Unrecht Verurteilte wurde freigelassen und entschädigt.

Festnahme und Prozess

Am 28. Februar 1995 wurde er festgenommen und legte rasch ein umfassendes Geständnis ab. Am 5. März 1996 verurteilte ihn das Landgericht Berlin zu zwei lebenslangen Freiheitsstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Nachwirkungen

Auch in Haft blieb Thomas Rung gewalttätig. 2001 verletzte er in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel einen Mitgefangenen, wofür seine Strafe um weitere zwei Jahre und acht Monate verlängert wurde. 2003 fügte er einem anderen Mitgefangenen lebensgefährliche Verletzungen zu, was 2004 zu einer zusätzlichen Verurteilung zu zehn Jahren Haft führte. Er wurde daraufhin in andere Anstalten verlegt, unter anderem nach Berlin-Moabit. Bis heute sitzt er in Sicherungsverwahrung.

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