Thomas Neill Cream
- Aktive Jahre
- 1881–1892
- Modus Operandi
- VergiftungBetrug
Thomas Neill Cream nannte in einem Erpressungsbrief Matilda Clover als Mordopfer, obwohl ihr Tod noch als Alkoholvergiftung galt. Das Täterwissen lenkte die Ermittler auf den Arzt und führte 1892 zum Prozess. Der Katalog der Berkeley Law Library weist die digitalisierte Prozessdokumentation des Central Criminal Court aus, die sich auf den Mord an Matilda Clover konzentriert.
Er wurde am 27. Mai 1850 in Glasgow geboren und wuchs ab 1854 im kanadischen Quebec auf. An der McGill University schloss er 1876 sein Medizinstudium ab, ergänzte seine Ausbildung in Geburtshilfe an der Universität Edinburgh und am St. Thomas’ Hospital in London. Nach außen wirkte er wie ein gebildeter, aufstrebender Arzt. Tatsächlich verdiente er sein Geld schon früh mit illegalen Abtreibungen und Erpressung.
Werdegang
In London, Ontario, geriet er erstmals unter Verdacht, als eine Patientin namens Kate Gardener mit Chloroform im Körper starb. Er zog weiter nach Chicago, wo er unter dem Deckmantel seiner Arztpraxis weiter Abtreibungen vornahm und mehrfach mit Todesfällen von Patientinnen in Verbindung gebracht wurde. Im Juni 1881 vergiftete er dort den Epileptiker Daniel Stott mit Strychnin, das er selbst in dessen Medizin gemischt hatte, und versuchte anschließend, die Polizei auf die Witwe des Opfers zu lenken. Der Plan flog auf: Im November 1881 verurteilte ihn ein Gericht zu lebenslanger Haft im Joliet-Gefängnis in Illinois.
Dort saß er zehn Jahre, ehe er am 21. Juli 1891 vorzeitig entlassen wurde. Er reiste sofort zurück nach London und begann binnen weniger Wochen eine neue Mordserie. Die häufig wiederholte Behauptung, Bestechung habe seine Entlassung ermöglicht, ist in den hier geprüften Gerichts- und Archivnachweisen nicht belastbar belegt.
Taten
Zwischen Oktober 1891 und April 1892 vergiftete er mehrere Prostituierte im Stadtteil Lambeth mit Strychnin, das er in Getränke mischte oder in Gelatinekapseln verabreichte:
- Ellen Donworth, 19 Jahre, starb am 16. Oktober 1891 an einer Vergiftung, die er ihr drei Tage zuvor verabreicht hatte.
- Matilda Clover, 27 Jahre, starb am 21. Oktober 1891. Ihr Tod wurde zunächst fälschlich auf Alkoholvergiftung zurückgeführt.
- Alice Marsh, 21 Jahre, und Emma Shrivell, 18 Jahre, starben beide am 11. April 1892, nachdem der Täter ihnen Guinness mit Strychnintabletten gegeben hatte.
- Lou Harvey, ein weiteres vorgesehenes Opfer, überlebte im April 1892, weil sie die ihr angebotenen Kapseln heimlich wegwarf, statt sie zu schlucken.
Die Symptome einer Strychninvergiftung sind besonders grausam: Der Körper verkrampft sich in Wellen, während das Bewusstsein bis zum Ende klar bleibt.
Ermittlung und Festnahme
Was Thomas Neill Cream letztlich zu Fall brachte, war sein eigener Größenwahn. Unter falschen Namen wie William H. Murray oder A. O’Brien schrieb er Erpressungsbriefe an angesehene Ärzte und Persönlichkeiten und drohte, sie fälschlich mit den Lambeth-Morden in Verbindung zu bringen, sofern sie nicht zahlten. In einem dieser Briefe erwähnte er Matilda Clover als Mordopfer, obwohl ihre offizielle Todesursache zu diesem Zeitpunkt noch als Alkoholvergiftung galt. Nur der Täter selbst konnte das wissen.
Der frühere New Yorker Detektiv John Haynes, mit dem er sich angefreundet hatte, wurde misstrauisch, als der Arzt ihm unaufgefordert Details zu den Tatorten und Opfern schilderte, und meldete dies Inspector Patrick McIntyre von Scotland Yard. Parallel dazu förderten Apotheker-Verkaufsregister die Käufe von Strychnin und Nux Vomica des Verdächtigen zutage. Am 13. Juli 1892 wurde er festgenommen. Vor Gericht identifizierte ihn zudem die überlebende Lou Harvey.
Prozess
Der Hauptprozess fand vom 17. bis 21. Oktober 1892 im Old Bailey unter Richter Henry Hawkins statt, mit dem Mord an Matilda Clover als Hauptanklagepunkt. Nach nur zehn Minuten Beratung sprach die Jury ihn schuldig. Zuvor war die Leiche von Matilda Clover eigens exhumiert worden, ihre Autopsie bestätigte die Strychninvergiftung zweifelsfrei.
Hinrichtung
Am 15. November 1892 wurde Thomas Neill Cream im Newgate-Gefängnis in London gehängt. Die angebliche letzte Andeutung, er sei „Jack…” gewesen, hielten schon seine Zeitgenossen für unglaubwürdig, da seine Haftzeit in Illinois lückenlos belegt war. Bis heute taucht sein Name dennoch regelmäßig in Spekulationen um die ungeklärte Identität von Jack the Ripper auf, obwohl er mit den Whitechapel-Morden nichts zu tun hatte.