Thomas Lemke
- Aktive Jahre
- 1995–1996
Als Thomas Lemke sein Urteil hörte, reagierte er im Gerichtssaal mit einer antisemitischen Bemerkung. Das Landgericht Essen verurteilte ihn wegen dreifachen Mordes und Vergewaltigung zu lebenslanger Haft und ordnete Sicherungsverwahrung an. Die zeitgenössische Urteilsreportage der WELT dokumentiert das Urteil vom 18. März 1997 und die Strafen der beiden Mitangeklagten.
Werdegang
Er brach mehrere Ausbildungen als Schreiner und Dachdecker ab, war zeitweise arbeitslos und wurde aus der Bundeswehr entlassen. In der Gladbecker rechtsextremen Jugendgruppe „Bomber” fand er Anschluss an die Szene. Vorbestraft war er bereits wegen Brandstiftung, Körperverletzung und Volksverhetzung. Bei einer späteren Durchsuchung seiner Wohnung fanden Ermittler sogenannte „Anti-Antifa”-Feindeslisten mit Namen und Adressen politischer Gegner.
Taten
Am 16. Juli 1995 fuhr er mit seiner Freundin Bianka Weidemann und der gemeinsamen Bekannten Dagmar Kohlmann nach Altena. Dort fesselten und knebelten die beiden die Frau, brachten sie in einen Wald und erwürgten sie mit einem Seil. Als sie noch nach Luft rang, schlug er zusätzlich mit einem Klappspaten auf sie ein, ehe sie die Leiche verscharrten. Ermittler gehen davon aus, dass er seine Freundin zur Mittäterschaft zwang, um sie durch die gemeinsame Schuld von einer Anzeige abzuhalten. Am 3. Februar 1996 lernte er die junge Patricia Wright am Bahnhof Hagen kennen und ordnete sie wegen eines Aufklebers mit der Aufschrift „Nazis raus” an ihrer Kleidung dem politisch linken Lager zu. Gemeinsam mit dem Bekannten Marcel Müthing fuhr er zu ihrer Wohnung in Bergisch Gladbach, wo er sie entkleidete, vergewaltigte, mit einem Schnürsenkel erdrosselte, mit einer Gipsfigur schlug und 91-mal mit einem Messer einstach. Am 15. März 1996 erschoss er in einem Treppenhaus in Dorsten-Rhade seinen ehemaligen Kameraden Martin Kemming aus nächster Nähe mit einer Schrotflinte, weil dieser aus der Szene ausgestiegen war und gegen ihn ausgesagt hatte.
Prozess und Verurteilung
Im März 1997 verurteilte ihn das Landgericht Essen wegen dreifachen Mordes und Vergewaltigung zu lebenslanger Haft, stellte eine besonders schwere Schuld fest und ordnete anschließende Sicherungsverwahrung sowie eine Unterbringung in der Psychiatrie an. Bianka Weidemann erhielt sechs Jahre Haft wegen Mordes, Marcel Müthing fünf Jahre wegen Beihilfe zu Mord und Vergewaltigung.
Nachwirkungen
Am 26. Juni 2023 weihte die Stadt Bergisch Gladbach eine Gedenktafel für Patricia Wright ein. Die Bundesregierung hatte den Mord bereits 2009 als rechtsextrem motiviertes Gewaltverbrechen anerkannt. Eine aktuelle amtliche Auskunft dazu, ob Thomas weiterhin im Strafvollzug, in psychiatrischer Unterbringung oder bereits in Sicherungsverwahrung lebt, war nicht auffindbar.