Thomas Griffiths Wainewright
- Aktive Jahre
- 1828–1830
- Modus Operandi
- VergiftungBetrug
Drei Angehörige starben innerhalb weniger Jahre, und Thomas Griffiths Wainewright konnte jeweils finanziell profitieren. Trotzdem bewies kein Gericht eine Vergiftung. Die National Portrait Gallery of Australia trennt den historischen Verdacht ausdrücklich von der einzigen Verurteilung: 1837 wurde der im Oktober 1794 geborene Kunstkritiker wegen Fälschung nach Van-Diemens-Land deportiert. Dort starb er 1847.
Werdegang
Früh verwaist, wuchs er bei seinen Großeltern im Landhaus Linden House in Chiswick auf. Seine Mutter war eine Tochter des Verlegers Ralph Griffiths, Herausgeber der renommierten Zeitschrift „Monthly Review”. Ausgebildet unter anderem bei den Malern John Linnell und Thomas Phillips, machte er sich in den 1820er Jahren einen Namen als Kunstkritiker für das „London Magazine”, wo er unter mehreren Pseudonymen schrieb, und stellte zwischen 1821 und 1825 eigene Gemälde an der Royal Academy aus. Er verkehrte in den Kreisen der Romantik und war unter anderem mit Charles Lamb und William Hazlitt bekannt. 1817 heiratete er Eliza Frances Ward, mit der er einen Sohn hatte.
Die Verdachtsfälle
Bereits um 1828 starb sein Onkel George Griffiths nach einem plötzlichen Anfall unter Umständen, die später als typisch für eine Strychninvergiftung gedeutet wurden, sein Vermögen ging an ihn über. 1830 starb kurz nacheinander seine Schwiegermutter, kurz nachdem sie ihr Testament zugunsten seiner Frau geändert hatte, und im Dezember desselben Jahres die erst 20-jährige Schwägerin Helen Abercromby. Wenige Monate zuvor hatten er und seine Frau deren Leben auf die für damalige Verhältnisse enorme Summe von 16.000 Pfund versichert. Auch Helens Tod zeigte Symptome, die zu einer Strychninvergiftung passten. Ein weiterer, nie zweifelsfrei aufgeklärter Verdachtsfall betraf einen Bekannten aus Norfolk.
Betrug statt Mordanklage
Die Versicherungsgesellschaften weigerten sich 1830, nach Helens Tod auszuzahlen, da sie Unregelmäßigkeiten in der Antragstellung vermuteten, ein Verdacht, der ihn finanziell in Bedrängnis brachte, ohne dass ihm die Vergiftungen selbst je nachgewiesen werden konnten. Bereits 1822 und 1823 hatte er zudem Vollmachten gefälscht, um Geld von der Bank of England abzuheben. Nach Jahren im Ausland kehrte er 1837 nach London zurück und wurde dort sofort wegen dieser älteren Urkundenfälschung verhaftet.
Prozess und Verbannung
Der Prozess fand am 5. Juli 1837 am Zentralstrafgericht Old Bailey statt. Er bekannte sich in zwei nicht mit dem Tod bedrohten Fälschungsanklagen schuldig, während die Bank die drei schwereren Anklagen nicht weiterverfolgte. Das Gericht verurteilte ihn zur lebenslangen Verbannung in die Strafkolonie Van-Diemens-Land. Auf dem Sträflingsschiff „Susan” erreichte er Hobart am 21. November 1837, wo er zunächst in einer Straßenbaukolonne und später als Krankenhauspfleger arbeitete.
Leben und Tod in Tasmanien
In der Kolonie konnte er wieder als Maler arbeiten und schuf über 100 Porträts der Hobarter Oberschicht. Am 14. November 1846 erhielt er eine bedingte Begnadigung. Er starb am 17. August 1847 im Krankenhaus von Hobart Town an einem Schlaganfall, sein Grab ist nicht erhalten.
Nachwirkungen
Sein Fall wurde durch Autoren wie Charles Dickens und vor allem Oscar Wilde, der ihm den Essay „Pen, Pencil and Poison” widmete, literarisch stilisiert und teils erheblich ausgeschmückt, was das Bild eines eiskalten Dandy-Giftmischers prägte, wie es die eigentliche Beweislage kaum hergibt. Neuere Forschung hält die Mordvorwürfe zwar weiterhin für plausibel, betont aber, dass Thomas Griffiths Wainewright zu Lebzeiten nie wegen eines Tötungsdelikts angeklagt, geschweige denn verurteilt wurde, sein Fall bleibt damit eines der bekanntesten Beispiele englischer Kriminalgeschichte, in denen literarischer Nachruhm und juristisch gesicherte Fakten deutlich auseinanderfallen.