The Stoneman
- Aktive Jahre
- 1983–1990
- Modus Operandi
- Stumpfe Gewalt
Am 4. Juni 1989 begann in Kalkutta eine Reihe tödlicher Angriffe auf schlafende Obdachlose. Bis zum 26. Februar 1990 wurden 13 Menschen mit schweren Steinen oder Betonbrocken erschlagen. Die englischsprachige Presse prägte dafür den Namen „The Stoneman”. Ob hinter allen Taten eine einzelne Person stand und ob sie mit ähnlichen Angriffen in Mumbai zusammenhingen, blieb ungeklärt.
Die Taten in Bombay
Bereits zwischen 1983 und 1988 wurden in Bombay wiederholt schlafende Bettler, Straßenkehrer und andere obdachlose Menschen tot aufgefunden, ihre Schädel durch stumpfe Gewalteinwirkung zertrümmert. Die genaue Opferzahl dieser Phase gilt als unsicher, Schätzungen reichen von einer niedrigen zweistelligen Zahl bis zu gemeinsam mit Kalkutta gezählten 26 Toten. Die Ermittlungen der Bombay-Polizei verliefen nach übereinstimmenden Berichten schleppend, da die Opfer keiner Familie zugeordnet werden konnten, die auf eine Aufklärung gedrängt hätte.
Die Taten in Kalkutta
Ab Juni 1989 häuften sich in Kalkutta binnen neun Monaten ähnliche Taten. Insgesamt 13 obdachlose Menschen wurden getötet, während sie allein in schlecht beleuchteten Bereichen der Stadt schliefen. Da an keinem Tatort ein Zeuge den Angreifer sicher beschreiben konnte, blieb selbst ungeklärt, ob eine Person oder mehrere Täter verantwortlich waren.
Ermittlung und die ungeklärte Verbindung beider Städte
Die auffällige Ähnlichkeit von Tatwaffe, Opferauswahl und Vorgehensweise in Bombay und Kalkutta legte für viele Beobachter nahe, dass es sich um denselben, mit den früheren Taten vertrauten Täter handeln könnte, der zwischenzeitlich die Stadt gewechselt hatte. Belastbare forensische Beweise für diese These fehlen jedoch bis heute, ebenso wie für die gegenteilige Annahme zweier unabhängig voneinander handelnder Täter. Da alle Opfer aus der ärmsten und unsichtbarsten Bevölkerungsschicht beider Städte stammten, erhielt der Fall nach übereinstimmender Einschätzung von Kriminologen von den zuständigen Behörden über weite Strecken auffällig wenig Ermittlungsressourcen.
Warum der Fall ungelöst blieb
Ohne Zeugen, forensische Spuren oder ein erkennbares Motiv jenseits der offensichtlichen Grausamkeit blieb den Ermittlern kaum ein Ansatzpunkt. Die soziale Randstellung der Opfer erschwerte zusätzlich sowohl die Identifizierung der Toten als auch den öffentlichen und politischen Druck, der in vergleichbaren Fällen mit Opfern aus der Mittelschicht üblicherweise zu intensiveren Ermittlungen geführt hätte.
Nachwirkungen
Der Fall gilt in Indien bis heute als eines der bekanntesten ungeklärten Verbrechen des Landes und wurde mehrfach literarisch und filmisch verarbeitet, unter anderem in dem 2009 erschienenen Spielfilm „Stoneman Murderer”. Er wird von Kriminologen regelmäßig als Beispiel dafür angeführt, wie stark die gesellschaftliche Stellung der Opfer die Intensität einer Mordermittlung beeinflussen kann.