Sylvester Matuska
- Aktive Jahre
- 1931
- Modus Operandi
- Sprengstoffanschlag
Sylvester Matuska, ungarisch Szilveszter Matuska, wurde am 29. Januar 1892 im damals ungarischen Csantavér geboren, dem heutigen Čantavir in Serbien. Als Maschinenbauer und Kaufmann unauffällig im Alltag, verübte er 1931 zwei Sprengstoffanschläge auf Fernzüge, von denen der zweite, der Anschlag auf das Eisenbahnviadukt von Biatorbágy bei Budapest, 22 Menschen das Leben kostete und zu den folgenreichsten Terrorakten der europäischen Zwischenkriegszeit zählt.
Erster Anschlag
Am 8. August 1931 ließ er südlich von Berlin den Schnellzug Berlin-Basel-Express entgleisen. Der Anschlag forderte über hundert Verletzte, aber keine Todesopfer.
Der Anschlag von Biatorbágy
Am 13. September 1931 platzierte er Dynamitstangen in einem braunen Koffer am Eisenbahnviadukt Biatorbágy, über das der Nachtschnellzug Wien-Budapest führte. Gegen 0:20 Uhr detonierte die Ladung, während der Zug die 30 Meter hohe Brücke überquerte. Die Lokomotive und neun der elf Waggons stürzten in die Schlucht. 22 Menschen starben, mehr als 120 wurden verletzt, 17 davon schwer. Er selbst wurde unmittelbar nach der Explosion am Unglücksort angetroffen, gab sich jedoch als Überlebender des Zugunglücks aus und wurde zunächst wieder freigelassen.
Festnahme, Motiv und Prozess
Am 10. Oktober 1931 wurde er in Wien verhaftet und gestand die Tat rasch. Vor Gericht erklärte er, er sprenge Züge, weil er Menschen gerne sterben sehe, zeitweise berief er sich auch auf einen angeblichen göttlichen Auftrag. Ermittler vermuteten zusätzlich sexuelle Befriedigung als Tatmotiv. Der österreichische Schwurgerichtshof verurteilte ihn zunächst wegen zweier fehlgeschlagener Sprengungsversuche zu Haft. Nach seiner Auslieferung nach Ungarn sprach ihn ein dortiges Gericht wegen des Anschlags von Biatorbágy schuldig und verhängte die Todesstrafe, die später zu lebenslanger Haft umgewandelt wurde.
Ungeklärtes Schicksal
Über sein weiteres Leben gibt es nur widersprüchliche Berichte. Er soll 1945 während der Wirren des Kriegsendes aus dem Gefängnis von Vác geflohen sein. Manche Quellen vermuten, Partisanen hätten ihn festgenommen und in einem Massengrab bei Subotica verscharrt, andere unbestätigte Gerüchte wollen ihn noch bis in die 1960er Jahre in Westdeutschland gesehen haben. Sein tatsächliches Todesdatum und sein Grab gelten bis heute als ungeklärt. Der Anschlag von Biatorbágy blieb lange einer der folgenschwersten Sprengstoffanschläge auf einen Zug in der europäischen Geschichte und wird in der Kriminalgeschichte immer wieder mit späteren Fällen von Bahnanschlägen verglichen.