Stuart Harling
- Aktive Jahre
- 2006
- Modus Operandi
- Erstechen
Pfadfinder, Messdiener, Schulpräfekt mit schwarzem Gürtel im Kickboxen und zehn guten Schulabschlüssen: Kaum jemand hätte dem jungen Mann aus dem Londoner Vorort Rainham zugetraut, wozu er am 6. April 2006 fähig war. Verkleidet mit Perücke und Sonnenbrille stach er auf dem Gelände eines Krankenhauses in Hornchurch mehr als 70 Mal auf eine ihm völlig fremde Krankenschwester ein. Sein Motiv, wie er später einem Gefängnisbeamten gestand: Ihm sei langweilig gewesen.
Werdegang
Stuart Harling wuchs behütet in Rainham im Osten Londons auf, gemeinsam mit seinen Eltern und einer jüngeren Schwester. Nach außen hin war er ein Vorzeigejugendlicher: Er brachte es zum Schulpräfekten, engagierte sich als Pfadfinderleiter und Messdiener und erreichte einen braunen Gürtel in Karate sowie einen schwarzen im Kickboxen. Mit zehn GCSE-Abschlüssen verließ er die Schule und begann eine Ausbildung zum Buchhalter am Havering College. Hinter der glatten Fassade verbarg sich jedoch eine tiefe Faszination für Serienmörder und Gewaltpornografie. Fast ein Jahr lang bereitete er sich nach eigenen Angaben insgeheim auf eine Tötung vor.
Die Tat
Am 6. April 2006 suchte der damals 19-Jährige das Gelände des St. George’s Hospital in Hornchurch auf, verkleidet mit Perücke und Sonnenbrille und mit einem Messer bewaffnet. Dort traf er auf die 33-jährige Krankenschwester Cheryl Moss, die gerade eine Zigarettenpause machte. Ohne erkennbaren persönlichen Bezug zu ihr stach er mehr als 70 Mal auf sie ein. Erst als seine Perücke abfiel, ließ er von ihr ab und flüchtete vom Gelände.
Ermittlung und Festnahme
Am Tatort und in einem weggeworfenen Beutel mit Tatwerkzeug hinterließ er unbeabsichtigt Hinweise auf seine Adresse. Die Polizei nahm ihn bereits am nächsten Tag im Haus seiner Eltern fest.
Prozess
Vor Gericht offenbarte sich das Ausmaß seiner Besessenheit: Unter Kreuzverhör räumte er Vergewaltigungs- und Waffenfantasien ein. Ärzte diagnostizierten ihm das Asperger-Syndrom, hielten ihn aber nicht für schuldunfähig. Sein Plädoyer auf verminderte Schuldfähigkeit blieb erfolglos, am 28. Juni 2007 sprach ihn die Jury mit einer Mehrheit von 10 zu 1 des Mordes schuldig. Er erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe mit einer Mindestverbüßungszeit von 20 Jahren.
Nachwirkungen
Die britische Presse machte aus dem Fall schnell eine Schlagzeile über den vermeintlich “gefährlichsten Teenager Großbritanniens”. Stuart Harling sitzt bis heute in Haft.