Stuart Campbell
- Aktive Jahre
- 2001
- Modus Operandi
- EntführungErwürgen
Eine SMS von ihrem Handy kam noch Stunden nach ihrem Verschwinden an, angeblich von ihr selbst geschrieben. Forensische Sprachanalytiker stellten später fest, dass der Absender log: Die Nachricht stammte nicht von der 15-jährigen Danielle Jones, sondern von dem Mann, der sie kurz zuvor entführt und getötet hatte, ihrem eigenen Onkel. Bis heute, mehr als zwei Jahrzehnte später, weiß niemand, wo Stuart Campbell die Leiche seiner Nichte versteckt hat.
Werdegang
Stuart Campbell wurde am 21. Februar 1958 in Maldon in der englischen Grafschaft Essex geboren und arbeitete als Bauunternehmer. Er war mit Debbie Jones verheiratet, der Schwester von Danielles Vater, und hatte zwei eigene Kinder. Bereits 1989 war er wegen unrechtmäßiger Freiheitsberaubung und der Herstellung unzüchtiger Aufnahmen einer 14-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, ein Muster, das sich zwölf Jahre später wiederholen sollte, diesmal mit tödlichem Ausgang.
Eine Beziehung, die keine sein durfte
Über Jahre entwickelte er zu seiner minderjährigen Nichte eine Nähe, die weit über das hinausging, was für einen Onkel angemessen war. Ein ermittelnder Superintendent beschrieb es später so, dass sich daraus eine Beziehung entwickelt habe, die zweifellos unangemessen und wahrscheinlich strafbar gewesen sei. Danielle versuchte den Angaben zufolge, sich von ihm zu distanzieren, er akzeptierte das jedoch nicht.
Verschwinden und Ermittlung
Am 18. Juni 2001 verschwand Danielle Jones auf dem Weg zur Bushaltestelle im Ort East Tilbury in Essex spurlos. Die Polizei startete unter dem Namen Operation Spinnaker eine der größten Suchaktionen der Grafschaft, durchsuchte mehr als 1.500 Orte mit fast tausend Beamten. Stuart Campbell wurde zunächst am 23. Juni 2001 festgenommen, dann im August desselben Jahres erneut, diesmal unter dem konkreten Verdacht des Mordes. Entscheidend waren blutbefleckte Strümpfe aus seinem Dachboden mit DNA-Spuren beider Beteiligten, Lippenstiftreste des Mädchens in seinem Haus sowie ein Tagebuch, das seine Obsession für minderjährige Mädchen dokumentierte. Die gefälschte SMS an Danielles eigenes Handy, die aus der Wortwahl erkennbar nicht von ihr stammte, entlarvte ihn endgültig.
Prozess und Urteil
Am 19. Dezember 2002 sprachen die Geschworenen ihn des Mordes sowie der Entführung schuldig. Das Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft für den Mord, dazu weitere zehn Jahre für die Entführung, mit einer Mindestverbüßungszeit von zwanzig Jahren. Eine Berufung scheiterte im Januar 2005.
Nachwirkungen
Danielles Leiche wurde nie gefunden, obwohl die Polizei mehrfach, unter anderem 2017 an einer Garage in der Nähe seines früheren Grundstücks, gezielt nach ihr grub. Stuart Campbell verweigert bis heute jede Aussage darüber, wo sich die Überreste seiner Nichte befinden. Mehrere Anträge auf vorzeitige Entlassung, zuletzt 2023, wurden abgelehnt, auch weil er sein Schweigen nicht bricht. Der Fall bleibt für die Angehörigen deshalb bis in die Gegenwart unabgeschlossen, eine Bestattung war nie möglich.