Stephan Letter
- Aktive Jahre
- 2003–2004
- Modus Operandi
- Vergiftung
Ein Medikamentendiebstahl brachte 2004 eine Serie von Patiententötungen ans Licht. Das Landgericht Kempten verurteilte Stephan Letter 2006 wegen zwölf Morden, 15 Totschlägen und einer Tötung auf Verlangen. Der zeitgenössische Bericht des Tagesspiegel dokumentiert die 28 Todesfälle und die festgestellte besondere Schwere der Schuld.
Werdegang
Er wurde am 17. September 1978 in Herdecke geboren. Nach einem Zivildienst als Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz in Ludwigsburg von 1998 bis 1999 ließ er sich am Klinikum Ludwigsburg zum Krankenpfleger ausbilden. Am 6. Januar 2003 trat er seine Stelle auf der Station der Klinik Sonthofen an, wo er wenig später begann, schwer- und todkranke Patienten gezielt zu töten.
Die Taten
Er betäubte seine Opfer zunächst und verabreichte ihnen anschließend die Muskelrelaxanzien Lysthenon oder Esmeron in tödlicher Dosis, Wirkstoffe, die eine Atemlähmung auslösen und im Blut nur schwer nachweisbar sind. Während seiner rund eineinhalbjährigen Dienstzeit häuften sich auf seiner Station mehr als 80 Todesfälle in einem auffälligen Muster, betroffen waren überwiegend ältere und schwerkranke Patienten zwischen 40 und 95 Jahren.
Entdeckung und Prozess
Am 29. Juli 2004 wurde er zunächst wegen Medikamentendiebstahls festgenommen, im Zuge der Ermittlungen gerieten auch die ungewöhnlich vielen Todesfälle während seiner Schichten in den Fokus. Die Staatsanwaltschaft Kempten exhumierte in der Folge zahlreiche Leichen und überprüfte insgesamt 83 Verdachtsfälle. Am 15. September 2005 erhob sie Anklage, der Prozess vor dem Landgericht Kempten begann am 7. Februar 2006. Am 20. November 2006 verurteilte das Gericht ihn wegen zwölffachen Mordes, 15-fachen Totschlags und eines Falls der Tötung auf Verlangen zu lebenslanger Haft, unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und mit lebenslangem Berufsverbot als Pflegekraft.
Nachwirkungen
Stephan Letter verbüßt seine Strafe bis heute in der Justizvollzugsanstalt Straubing. Der Fall löste in Bayern eine öffentliche Debatte über Kontrollmechanismen auf Intensivstationen aus und wird häufig gemeinsam mit dem später aufgedeckten, noch erheblich größeren Fall Niels Högel sowie dem früheren Fall Michaela Roeder als Beispiel dafür genannt, wie unzureichend überwachter Zugriff auf starke Medikamente Pflegekräften über lange Zeiträume unentdeckte Tötungsserien ermöglichte.