Stefan R.
- Mörder — Berlin , Deutschland
- Aktive Jahre
- 2020
- Modus Operandi
- KannibalismusZerstückelung
Stefan R., geboren 1979 oder 1980, arbeitete als Lehrer für Mathematik und Chemie in Berlin. In der Nacht zum 6. September 2020 ermordete er den 43-jährigen Monteur Stefan T. in seiner Wohnung in Pankow. Anschließend zerstückelte er den Körper, verteilte die sterblichen Überreste an mehreren Orten und aß nach Überzeugung des Landgerichts Teile der Leiche.
Werdegang und Fantasien
Stefan R. unterrichtete zuletzt an einer Schule in freier Trägerschaft. Nach Aussagen aus dem späteren Prozess führte er über Jahre ein unauffälliges Berufsleben. Zugleich beschäftigte er sich intensiv mit kannibalistischen und sexuell aufgeladenen Gewaltfantasien.
Auf seinem Computer fanden Ermittler zahlreiche Bilder und Texte mit kannibalistischen Inhalten. In der Wohnung lagen außerdem schriftliche Anleitungen zur Herstellung sogenannter K.-o.-Tropfen sowie zur Entmannung und Schlachtung eines Menschen. Ein früherer Sexpartner berichtete vor Gericht, dass entsprechende Fantasien bei Treffen und in Chats zunehmend eine Rolle gespielt hätten. Stefan R. habe bei sexuellen Begegnungen auch GHB eingesetzt und dabei Macht und Dominanz gesucht.
Die Tat
Am 5. September 2020 lernten sich Stefan R. und Stefan T. über ein Dating-Portal kennen. Nur wenige Stunden später verließ der Monteur seine Wohngemeinschaft in Berlin-Lichtenberg und machte sich auf den Weg zur Wohnung des Lehrers in Pankow. Die Männer hatten ein sexuelles Treffen vereinbart.
Das Gericht kam nach der Beweisaufnahme zu dem Ergebnis, dass Stefan R. seinen Besucher mit GHB betäubte und anschließend tötete. Rechtsmediziner fanden keine Abwehrverletzungen. Nach der Rekonstruktion des Tatgeschehens starb Stefan T. wahrscheinlich durch massiven Blutverlust aus einem großen Gefäß. Der Täter trennte unter anderem Kopf, Beine und Genitalien ab, zersägte weitere Körperteile und verpackte die Überreste. Das Landgericht sah es als bewiesen an, dass er Teile der Genitalien aß, um seine Kannibalismusfantasien auszuleben und seinen Geschlechtstrieb zu befriedigen.
Suche und Festnahme
Als Stefan T. nicht zurückkehrte, meldete sein Mitbewohner ihn als vermisst. Die Polizei veröffentlichte Ende September einen Fahndungsaufruf. Am 8. November 2020 fand ein Spaziergänger mit seinem Hund menschliche Knochen im Buchholzer Graben im Berliner Ortsteil Buch. Rechtsmedizinische Untersuchungen ordneten sie dem Vermissten zu. Weitere Leichenteile wurden später an anderen Stellen in Pankow entdeckt.
Die Auswertung des Dating-Portals und digitaler Spuren führte zu Stefan R. Personen- und Leichenspürhunde unterstützten die Ermittlungen. Am 23. November 2020 nahm die Polizei den damals 41-Jährigen an seiner Wohnanschrift fest. In der Wohnung fanden Ermittler Blutspuren und umfangreiches Material zu seinen Fantasien.
Prozess und Urteil
Der Prozess vor dem Landgericht Berlin begann im August 2021. Stefan R. bestritt die Tötung. Er behauptete, Stefan T. am Morgen leblos auf der Couch gefunden und die Leiche aus Angst vor einem Bekanntwerden seiner Homosexualität beseitigt zu haben. Die Kammer hielt diese Darstellung angesichts der Spuren, Chatverläufe, Zeugenaussagen und rechtsmedizinischen Befunde für widerlegt. Ein psychiatrischer Gutachter sah keine Einschränkung der Schuldfähigkeit.
Am 7. Januar 2022 verurteilte das Landgericht Stefan R. wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Es stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Die Richter sahen drei Mordmerkmale als erfüllt und werteten die Tat als Umsetzung kannibalistischer Sexualfantasien.
Der Bundesgerichtshof verwarf die Revision am 24. Oktober 2022. Damit wurde das Urteil im November 2022 rechtskräftig. Stefan R. befindet sich weiterhin in Haft. Die rechtskräftige Verurteilung des sogenannten Kannibalen von Pankow beendete ein Verfahren, das vor allem wegen der Verbindung von Sexualmotiv, Betäubung und Kannibalismus bundesweit Aufmerksamkeit erregt hatte.