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Soghomon Tehlirian

Soghomon Tehlirian im Jahr 1921
The New Armenia, Ausgabe Mai/Juni 1921, via Wikimedia Commons · Public Domain
1
Opfer
verstorben
AttentäterBerlin , Deutschland
Aktive Jahre
1921
Modus Operandi
ErschießenKomplizen

Am 15. März 1921 erschoss Soghomon Tehlirian am helllichten Tag mitten in Berlin den früheren osmanischen Großwesir und Innenminister Talaat Pascha, einen der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern. Ein Berliner Geschworenengericht sprach ihn nach nur wenigen Verhandlungstagen frei, in einem der ersten Prozesse, in dem der Völkermord an den Armeniern öffentlich und detailliert verhandelt wurde.

Werdegang

Geboren wurde er am 2. April 1897 in Pakaritsch bei Erzincan im heutigen Osttürkischen als Angehöriger der armenischen Minderheit im Osmanischen Reich. Während der systematischen Vertreibungen und Massaker an den Armeniern ab 1915 verlor er nach eigenen Angaben den größten Teil seiner Familie, darunter seine Eltern und Geschwister. Er selbst überlebte schwer traumatisiert und schloss sich später der armenisch-nationalistischen Daschnak-Partei an.

Operation Nemesis

Da die Hauptverantwortlichen des Völkermords nach Kriegsende ins Exil entkommen waren und Deutschland ihre Auslieferung verweigerte, plante die Daschnak-Partei unter dem Decknamen „Operation Nemesis“ die gezielte Tötung führender Täter. Er erklärte sich bereit, den ehemaligen Großwesir Talaat Pascha aufzuspüren, der unter falschem Namen in Berlin lebte.

Die Tat

Am 15. März 1921 erschoss er Talaat Pascha aus nächster Nähe auf offener Straße im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Er unternahm keinen Fluchtversuch und wurde von Passanten festgehalten, bis die Polizei eintraf.

Prozess

Der Prozess vor dem Berliner Schwurgericht im Juni 1921 rückte weniger die eigentliche Tat als den Völkermord an den Armeniern selbst in den Mittelpunkt. Die Verteidigung ließ zahlreiche Überlebende und Zeugen aussagen und stützte sich zusätzlich auf ein psychiatrisches Gutachten des Nervenarztes Richard Cassirer, wonach er zur Tatzeit unter einer vorübergehenden Störung der Zurechnungsfähigkeit gelitten habe, ausgelöst durch die traumatischen Erlebnisse des Völkermords. Die Geschworenen sprachen ihn nach kurzer Beratung frei.

Nachwirkungen

Nach dem Freispruch ging er zunächst nach Belgrad, wo er seine Frau Anahide Tatikian heiratete, und wanderte später in die Vereinigten Staaten aus. Er starb am 23. Mai 1960 in San Francisco an den Folgen einer Hirnblutung. Der Prozess gegen ihn gilt bis heute als einer der ersten Fälle, in denen ein Gericht den Völkermord an den Armeniern öffentlich thematisierte, und wird von Historikern immer wieder als frühes Beispiel für den Zusammenhang zwischen Straflosigkeit von Staatsverbrechen und individueller Selbstjustiz angeführt.

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