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Simone Pianetti

Porträtfoto von Simone Pianetti aus dem Pfarrarchiv von Pianca
Daniele Paleni / Archivio parrocchiale di Pianca (San Giovanni Bianco), via Wikimedia Commons (Bild seitlich ergänzt) · Public Domain (PD-old)
7
Opfer
verstorben
MassenmörderCamerata Cornello , Italien
Aktive Jahre
1914
Modus Operandi
Erschießen

Am Morgen des 13. Juli 1914 nahm ein verarmter Gastwirt aus dem Bergamasker Bergland sein Gewehr, ging von Haus zu Haus und erschoss binnen weniger Stunden sieben Menschen, jeden Einzelnen kannte er persönlich. Dann stieg er in die Berge hinauf und verschwand für immer. Bis heute weiß niemand mit Sicherheit, ob Simone Pianetti dort oben starb, unerkannt ins Ausland floh oder Jahrzehnte später unter falschem Namen in Mailand starb, wie sein eigener Sohn später behauptet haben soll.

Werdegang

Simone Pianetti wurde am 7. Februar 1858 in Camerata Cornello geboren, einem kleinen Ort im Val Brembana in der Lombardei, als Sohn einer wohlhabenden Familie. Schon früh galt er als aufbrausend und streitbar. Als junger Mann wanderte er nach New York aus, wo er mit Wein und Obst handelte und in anarchistischen Kreisen verkehrte, Ideen, die ihn sein Leben lang begleiten sollten.

Zurück in seiner Heimat scheiterte er an einer Reihe von Unternehmungen, die ihn zunehmend gegen die örtliche Obrigkeit aufbrachten. Er eröffnete eine Gastwirtschaft, die von Klerus und Behörden boykottiert wurde, mutmaßlich weil er dort Tanzveranstaltungen abhielt. Danach errichtete er in San Giovanni Bianco eine elektrisch betriebene Mühle, doch die Dorfbewohner erklärten sein Mehl kurzerhand zum „Mehl des Teufels” und mieden es abergläubisch. Verarmt und von der Gemeinschaft ausgestoßen, wuchs in ihm über die Jahre ein Hass auf jene, die er für seinen wirtschaftlichen und sozialen Niedergang verantwortlich machte.

Die Tat

Er soll sich vorab eine Liste seiner Feinde zusammengestellt haben, unter ihnen ein Arzt, ein Gemeindesekretär, ein Richter und ein Pfarrer. Berichten zufolge inspirierte ihn dabei ausgerechnet ein Ereignis, das sich wenige Tage zuvor auf der anderen Seite Europas zugetragen hatte: das Attentat Gavrilo Princips auf Erzherzog Franz Ferdinand.

Am 13. Juli 1914 erschoss er nacheinander:

Die Taten ereigneten sich zwischen San Giovanni Bianco und Camerata Cornello, verteilt über den Vormittag. Danach zog er sich in Richtung des Monte Cancervo zurück.

Flucht und ungeklärtes Verschwinden

Über dreihundert Männer durchkämmten in den folgenden Tagen und Wochen das Gebirge, ohne ihn zu fassen. Die letzte gesicherte Begegnung mit ihm hatte am 28. Juli 1914 sein eigener Sohn Nino, der ihn zur Aufgabe bewegen wollte. Simone Pianetti weigerte sich und verschwand danach endgültig aus den Akten. Sein Leichnam wurde nie gefunden.

Über sein weiteres Schicksal kursieren bis heute mehrere Theorien: Manche glauben, er sei in den Bergen verhungert oder verunglückt, andere vermuten eine Flucht nach Venezuela oder in die Schweiz. Sein Sohn soll später im engen Familienkreis erzählt haben, sein Vater habe sich unter falschem Namen nach Mailand abgesetzt und sei dort erst 1952 gestorben, belegt ist das nicht.

Nachwirkungen

Im Val Brembana wurde aus dem siebenfachen Mörder mit der Zeit eine Sagengestalt, für viele weniger ein Verbrecher als ein Rächer gegen eine als ungerecht empfundene Dorfobrigkeit aus Klerus und Behörden. Volkslieder, Theaterstücke, Podcasts und Bücher greifen den Fall bis heute auf, die Meinungen darüber, ob Simone Pianetti Täter oder Symbolfigur des Widerstands war, gehen in der Region nach wie vor auseinander.