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Sidney Harry Fox

Polizeifoto von Sidney Harry Fox aus dem Jahr 1930
Wikimedia Commons (seitlich ergänzt für das Seitenverhältnis) · Public Domain (PD-UKGov, Polizeifoto vor 1957)
1
Opfer
hingerichtet
TotschlägerMargate , Großbritannien
Aktive Jahre
1929

Ein Feuer im Hotelzimmer, eine tote Mutter, ein trauernder Sohn, der gerade noch rechtzeitig eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte. Für die Polizei sah der Fall zunächst nach einem tragischen Unglück aus. Erst ein einzelner Gerichtsmediziner fand den winzigen Bluterguss, der alles änderte: Sidney Harry Fox hatte seine Mutter erwürgt, bevor er das Feuer legte, das ihren Tod vertuschen sollte.

Werdegang

Geboren wurde er 1899, aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen. Schon als Jugendlicher arbeitete er in feinen Haushalten und wurde dabei mehrfach beim Stehlen erwischt. Aus dem kleinen Dieb wurde mit den Jahren ein gewiefter Hochstapler mit gepflegtem Auftreten und den richtigen Manieren, um sich das Vertrauen anderer zu erschleichen. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er kurzzeitig bei einer Londoner Bank und fälschte dort Schecks, entzog sich der drohenden Anklage aber durch den Eintritt in den Militärdienst und ergaunerte sich durch falsche Angaben sogar einen Offiziersrang. Weitere Scheckfälschungen und Betrügereien folgten, 1927 saß er erneut wegen Betrugs im Gefängnis. Nach seiner Entlassung ging er sogar eine vorgetäuschte Liebesbeziehung ein, nur um der betrogenen Frau Schmuck zu stehlen und ihre Versicherung zu prellen. Seine engste, lebenslange Komplizin blieb dabei stets seine Mutter Rosaline, mit der er von Hotel zu Hotel zog und regelmäßig unbezahlte Rechnungen zurückließ.

Die Tat

Im April 1929 schloss er eine Lebensversicherung auf seine Mutter ab, später erhöhte er die Versicherungssumme auf 3.000 Pfund, eine für die Zeit beträchtliche Summe. Am 23. Oktober 1929 wohnten Mutter und Sohn im Hotel Metropole in Margate, in Zimmer 66. Sidney Fox gab seiner Mutter Portwein, um sie schläfrig zu machen, und erwürgte sie anschließend. Danach entzündete er unter ihrem Stuhl ein Feuer aus Zeitungspapier und Benzin und alarmierte das Hotelpersonal, als sei er selbst überrascht vom Brand.

Ermittlung und Festnahme

Die erste Autopsie ergab noch „Tod durch Unglücksfall“, vermutlich durch Rauchvergiftung. Misstrauisch wurde erst die Versicherungsgesellschaft, deren Police just an jenem Abend ausgelaufen wäre. Die Ermittler ließen die Leiche exhumieren, und der renommierte Gerichtsmediziner Sir Bernard Spilsbury übernahm gemeinsam mit Dr. Roche Lynch die zweite Untersuchung. Sie fanden einen Bluterguss am Kehlkopf, ein Hinweis auf Erwürgen, und stellten fest, dass sich kein Ruß in der Lunge der Toten befand. Das bewies: Die Frau war bereits tot, bevor das Feuer ausbrach. Am 3. November 1929 wurde er festgenommen.

Prozess

Der Prozess vor den Lewes Assizes begann im März 1930. Die Verteidigung konnte Sir Bernard Spilsburys Befund nicht wirklich entkräften, der entscheidende Bluterguss war durch die Verwesung bereits nicht mehr nachweisbar, was die Anklage aber eher stärkte als schwächte, da niemand das Gegenteil beweisen konnte. Der Kronanwalt Sir William Jowitt nahm den Angeklagten in einem scharfen Kreuzverhör auseinander, dessen Erklärungen zunehmend unglaubwürdig wirkten. Die Geschworenen sprachen ihn des Mordes schuldig.

Nachwirkungen

Am 8. April 1930 wurde Sidney Harry Fox im Gefängnis von Maidstone gehängt. Er ging als erster zum Tode verurteilter Mörder in die britische Rechtsgeschichte ein, der bewusst auf jede Berufung verzichtete. Der Fall gilt bis heute als Lehrbuchbeispiel dafür, wie forensische Detailarbeit einen scheinbar perfekten Unfall als Mord entlarven kann, und wird in der Ausbildung von Gerichtsmedizinern noch immer als Beispiel für die akribische Arbeitsweise Sir Bernard Spilsburys genannt.

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