Shaun Armstrong
- Mörder — Hartlepool , Großbritannien
- Aktive Jahre
- 1994
- Modus Operandi
- EntführungVergewaltigungErsticken
Sie wollte sich nur ein Eis kaufen, zwanzig Meter von der eigenen Haustür entfernt. Wenige Minuten später war die dreijährige Rosie Palmer spurlos verschwunden, und drei Tage lang durchsuchte halb Hartlepool die Nachbarschaft nach ihr, ohne zu ahnen, dass ihre Leiche die ganze Zeit in der Wohnung eines Mannes lag, den man in der Straße nur „Tony the Pervert” nannte.
Werdegang
Shaun Anthony Armstrong wurde am 30. Juni 1962 in der Grafschaft County Durham geboren, sein Geburtsname lautete Anthony Wilkinson. Später übernahm er den Nachnamen seines Stiefvaters und wurde von den meisten Menschen in seinem Umfeld schlicht als Tony Armstrong angesprochen. Er blieb arbeitslos, kämpfte mit Alkohol- und Medikamentenproblemen und erhielt im Lauf der Jahre die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung. In der Nachbarschaft von Hartlepool war sein Ruf so schlecht, dass Anwohner ihn nur noch mit dem abfälligen Spitznamen „Tony the Pervert” belegten, konkrete Vorwürfe gegen ihn führten jedoch nie zu einer Anzeige oder Verurteilung.
Die Tat
Am 30. Juni 1994, seinem eigenen 32. Geburtstag, kaufte sich Rosie Palmer bei einem Eiswagen ein Eis, nur wenige Schritte von ihrem Elternhaus entfernt. Von dort aus verlor sich ihre Spur. Er entführte das Mädchen in seine eigene Wohnung, nur rund fünfzig Meter von ihrem Zuhause entfernt, missbrauchte sie sexuell und tötete sie, vermutlich durch Ersticken oder Strangulation. Ihre verstümmelte Leiche versteckte er unter einem Sofa in seinem Wohnzimmer.
Ermittlung und Festnahme
Die Polizei unter der Leitung von Detective Superintendent Doug Smith begann sofort mit einer Tür-zu-Tür-Befragung der gesamten Nachbarschaft. Zweimal klopften Beamte an seine Tür, am 1. und am 2. Juli, ohne einen Verdacht zu schöpfen. Erst sein zunehmend nervöses und widersprüchliches Verhalten weckte am 3. Juli 1994 endgültig Misstrauen. Bei der folgenden Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler die Leiche des Kindes, noch am selben Tag wurde er festgenommen.
Prozess
Vor dem Leeds Crown Court plädierte er zunächst auf nicht schuldig. Erst Jahre später, in einem Briefwechsel mit dem Autor Bernard O’Mahoney, gestand er die Tat im Detail. Am 27. Juli 1995 wurde er wegen Mordes an Rosie Palmer für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Richter legte 2006 nachträglich eine Mindestverbüßungsdauer von 16 Jahren fest, die 2010 abgelaufen wäre.
Nachwirkungen
Der Mordfall veränderte die öffentliche Wahrnehmung von Nachbarschaftsüberwachung und polizeilicher Gefahreneinschätzung in Hartlepool nachhaltig, weil ein Mann, dessen Ruf in der Siedlung längst bekannt war, so lange unbehelligt bleiben konnte. Er sitzt bis heute in Haft. Der Bewährungsausschuss lehnte zuletzt im März 2025 zum achten Mal eine vorzeitige Entlassung ab, seither hat er die eigentliche Mindeststrafe um weit mehr als ein Jahrzehnt überschritten.