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Servant Girl Annihilator

genannt „Midnight Assassin"

Schlagzeile „Hell Broke Loose“ der Fort Worth Gazette vom 26. Dezember 1885 über die Morde in Austin
Fort Worth Gazette, via Wikimedia Commons · Public Domain (vor 1931 veröffentlicht)
8
Opfer
„Midnight Assassin"
verstorben
SerienmörderAustin , USA
Aktive Jahre
1884–1885

Zwischen dem 30. Dezember 1884 und dem 24. Dezember 1885 tötete ein bis heute nicht identifizierter Täter in Austin, Texas, acht Menschen, überwiegend schwarze Hausangestellte. Er überfiel sie nachts in oder nahe ihren Unterkünften und setzte Äxte, Messer und stumpfe Gewalt ein. Zeitgenössische Zeitungen prägten zunächst den Namen „Servant Girl Murders”, der Schriftsteller O. Henry, der damals als Bankangestellter in Austin lebte, nannte den Täter in einem privaten Brief „Servant Girl Annihilator”, ein Begriff, der sich bis heute hielt. Der Fall gilt als einer der frühesten dokumentierten Serienmordfälle der amerikanischen Geschichte, drei Jahre vor den Whitechapel-Morden in London.

Die Taten

Am 30. Dezember 1884 wurde die 25-jährige Mollie Smith als erstes Opfer in ihrer Schlafkammer erschlagen und in den Hof hinter dem Haus geschleift. Am 7. Mai 1885 starb Eliza Shelly, am 23. Mai die junge Irene Cross. Am 30. August 1885 wurde die erst elfjährige Mary Ramey getötet, am 28. September in derselben Nacht sowohl Gracie Vance als auch Orange Washington. Den Höhepunkt und zugleich das Ende der Serie markierte der Doppelmord an Susan Hancock und Eula Phillips in der Nacht des 24. Dezember 1885, mitten in der wohlhabenderen weißen Innenstadt Austins, was die öffentliche Panik in der Stadt zusätzlich verschärfte. Mehrere weitere Frauen und Männer überlebten teils schwer verletzte Angriffe. Bei einzelnen Opfern fanden Ermittler Verletzungen durch spitze Gegenstände an den Ohren, ein wiederkehrendes und nie geklärtes Detail der Taten.

Ermittlung

Die Polizei von Austin nahm im Verlauf des Jahres rund 400 Männer fest, überwiegend schwarze Bürger der Stadt, ohne belastbare Beweise gegen einen von ihnen zu finden. Zeitgenössische Berichte beschrieben den Täter als „einen gerissenen Verrückten, der im Töten von Frauen seinen fixen Wahn gefunden hat”. Die schiere Zahl widersprüchlicher Zeugenaussagen und der öffentliche Druck auf die gewählten Stadtvertreter erschwerten eine systematische Ermittlung zusätzlich.

Verdächtige

Ein 2014 im Rahmen der PBS-Sendung „History Detectives” vorgestellter Verdächtiger war Nathan Elgin, ein 19 Jahre alter Koch, der in der Nähe mehrerer Tatorte arbeitete und dem angeblich eine kleine Zehe fehlte, was zu einem am Tatort gesicherten Fußabdruck passen soll. Er wurde im Februar 1886 von der Polizei erschossen, als er versuchte, ein Mädchen mit einem Messer anzugreifen, ohne dass ihm die Morde je nachgewiesen wurden. Für den letzten Doppelmord wurde zudem James Phillips, der Ehemann von Eula Phillips, wegen des Mordes an seiner Frau verurteilt, das Urteil jedoch mangels ausreichender Beweise später aufgehoben.

Die spekulierte Verbindung zu Jack the Ripper

Ein Redakteur der Atlanta Constitution brachte im Oktober 1888 die These auf, derselbe Täter könne sowohl die Austiner Morde als auch die Whitechapel-Morde von Jack the Ripper in London begangen haben, unter anderem weil britische Ermittler zeitweise auch amerikanische Cowboys aus Buffalo Bills Wild-West-Show befragten. Der Ripper-Historiker Philip Sugden hält fest, dass sich diese Verbindung nie belegen ließ. Bis heute gilt sie unter Fachleuten als unbewiesene, aber immer wieder aufgegriffene Randnotiz beider Fälle.

Warum der Fall ungelöst blieb

Ende 1885 erhöhte die Stadt die Zahl der Polizeikräfte, setzte Kopfgelder aus und ließ Bürgerwehren die Straßen patrouillieren, woraufhin die Taten abrupt endeten. Ob der Täter die Stadt verließ, verhaftet wurde, starb oder aus anderen Gründen aufhörte, ließ sich nie klären. Da die Serie mehr als 140 Jahre zurückliegt, ist der Täter zweifelsfrei verstorben.

Nachwirkungen

Der Fall bleibt bis heute Teil der Lokalgeschichte Austins und wird regelmäßig in Stadtführungen, Büchern und Fernsehdokumentationen aufgegriffen, etwa in „The Midnight Assassin: Panic, Scandal, and the Hunt for America’s First Serial Killer” (Affiliate-Link). Historiker werten die Servant Girl Annihilator Morde zunehmend auch als frühes Beispiel dafür, wie stark rassistische Vorurteile der Reconstruction-Ära die damaligen Ermittlungen prägten, da die Polizei über Monate fast ausschließlich schwarze Verdächtige verfolgte, während die tatsächliche Täterschaft bis heute ungeklärt blieb.

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