Schultz
- Aktive Jahre
- 1894–1920
Am 2. Dezember 1920 soll die Aussage einer Ehefrau in Spandau eine Mordserie mit elf Toten offengelegt haben. Die einzige auffindbare fallspezifische Darstellung geht auf den Kriminalautor Michael Newton zurück und wird auf dem Serial Killer Calendar wiedergegeben. Unabhängige Prozessakten oder zeitgenössische Presseberichte ließen sich trotz der Suche in Berliner Archiv-, Bibliotheks- und Zeitungsbeständen nicht finden. Selbst der Vorname des nur als Schultz bezeichneten Droschkenkutschers bleibt unbekannt.
Die Vorwürfe der Ehefrau
Dieser Darstellung zufolge berichtete die Ehefrau den Ermittlern, ihr Mann habe schon einige Jahre vor 1894 ihre beiden Brüder getötet und sie seither wiederholt mit dem Tod bedroht, sollte sie ihn verraten. 1894 soll er zudem ein achtjähriges Kind ohne erkennbaren Grund getötet haben. Über die folgenden gut 25 Jahre hinweg soll er nach ihrer Aussage insgesamt elf Menschen getötet haben, darunter Männer, Frauen und Kinder. Erst 1920 habe sie sich an die Polizei in Spandau gewandt. Namen der Opfer, Tatorte und überprüfbare Einzelheiten fehlen.
Festnahme, Prozess und Hinrichtung
Der Sekundärquelle zufolge führten die Angaben zur Festnahme, Verurteilung und Hinrichtung durch das Fallbeil im Jahr 1921. Ohne auffindbare Gerichtsakte oder zeitgenössische Berichterstattung lässt sich jedoch weder der Umfang eines Urteils noch die behauptete Opferzahl unabhängig bestätigen.
Einordnung
Der Fall zeigt exemplarisch, wie stark die Aufklärung solcher Vorwürfe in dieser Zeit vom Aussageverhalten Angehöriger abhing. Ohne die späte Aussage seiner Frau wäre der Mann der Polizei vermutlich nie als Verdächtiger bekannt geworden. Zugleich macht die dünne Beleglage deutlich, dass manche historische Kriminalerzählung nur über eine einzige Sekundärquelle greifbar ist.