Satish
- Aktive Jahre
- 1995–1998
- Modus Operandi
- VergewaltigungErwürgenStumpfe Gewalt
Zwischen 1995 und 1998 vergewaltigte und tötete der Fabrikarbeiter Satish im nordindischen Bahadurgarh, Bundesstaat Haryana, mindestens zehn Mädchen im Alter zwischen fünf und neun Jahren und verletzte weitere schwer. Die als „Bahadurgarh Baby Killer” bekannt gewordene Mordserie löste in der Bevölkerung derart große Verzweiflung aus, dass die Polizei unter öffentlichem Druck wiederholt unschuldige Männer verhaftete und anklagte, während die eigentlichen Taten weitergingen.
Werdegang
Satish, um 1973 geboren, arbeitete als Fabrikarbeiter und lebte mit seinen Eltern in Bahadurgarh. Nach außen hin galt er in der Nachbarschaft als unauffällig, was seine jahrelange Unentdecktheit begünstigte.
Die Taten
Die Serie begann im Februar 1995 mit der Ermordung der achtjährigen Pooja, deren Leiche in einem Senffeld gefunden wurde. In den folgenden Jahren tötete Satish unter anderem die siebenjährige Sheetal, die fünf- bis sechsjährige Karuna, den sechsjährigen Jony, die sechsjährige Sweta, die zwölfjährige Salma, die fünf- bis sechsjährige Shanti, die siebenjährige Manju sowie die neunjährige Komal. Zwei weitere Mädchen, die fünfjährige Pinki und die sechsjährige Somani, überlebten die Angriffe schwer verletzt. Satish näherte sich seinen Opfern meist auf der Straße, vor ihren Häusern oder bei örtlichen Veranstaltungen, brachte sie anschließend auf Felder oder zu Abwassergräben und vergewaltigte und tötete sie dort.
Falsche Verdächtigungen unter öffentlichem Druck
Nach jedem weiteren Mord wuchs der öffentliche Druck auf die Polizei, was zu mehreren folgenschweren Fehlverhaftungen führte. Raj Kumar wurde nach dem ersten Mord festgenommen und erst nach 18 Monaten wieder freigelassen, als die Taten trotz seiner Haft weitergingen. Der möglicherweise geistig beeinträchtigte Ram Babu wurde 1996 von der Polizei Delhis verhaftet, die damit ein von der Polizei Haryanas ausgesetztes Kopfgeld beanspruchte, saß 30 Monate in Haft und wurde im August 1998, drei Monate vor Satishs tatsächlicher Festnahme, von einem Mitgefangenen mit einem Ziegelstein erschlagen. Auch Shankar Kumar wurde 1997 fälschlich festgenommen, bis ein weiterer Mord seine Unschuld belegte. Die wiederholt gescheiterten Festnahmen lösten in Bahadurgarh Massenproteste, Streiks und gewalttätige Ausschreitungen aus, die zusätzliche Sicherheitskräfte in die Stadt brachten.
Festnahme
Am 18. November 1998 entführte Satish die sechsjährige Somani, vergewaltigte sie zweimal und ließ sie, da er sie für tot hielt, in einem Feld zurück. Zwei Tage später fand ein Passant das weinende Mädchen nahe einer Brücke. Somani konnte der Polizei ihren Namen nennen und beschrieb einen dunkelhäutigen Mann mit Fahrrad und dünnem Bart, dessen Beschreibung Ermittler zu einem Haus auf der anderen Seite der Bahngleise führte. Satish wurde am 20. November 1998 an seinem Arbeitsplatz in einer Blechfabrik festgenommen.
Prozess
Satish gestand zunächst 14 Straftaten, widerrief das Geständnis später jedoch teilweise. Das Gericht stützte die Verurteilung auf übereinstimmende forensische Beweise sowie eine Lügendetektoruntersuchung im Fall der Neunjährigen Aarti. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigte ihm eine neurotische Persönlichkeitsstruktur, jedoch keine Psychose. Satish wurde wegen zwölf sexueller Übergriffe und zehnfachen Mordes verurteilt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Todesurteil, das die Anklage gefordert hatte, lehnte das Gericht ab, 2008 bestätigte der Punjab and Haryana High Court, dass er mindestens 20 Jahre der Strafe tatsächlich verbüßen müsse.
Nachwirkungen
Der Fall gilt in Indien bis heute als eines der erschütterndsten Verbrechen der 1990er Jahre und wird regelmäßig als warnendes Beispiel dafür angeführt, wie öffentlicher Druck auf Ermittlungsbehörden zu folgenschweren Fehlurteilen führen kann, während der tatsächliche Täter weiter frei agierte.