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Samuel Herbert Dougal

genannt „Der Moat-Farm-Mörder"

Luftaufnahme von Moat House Farm in Clavering, Essex, dem Anwesen, auf dem Samuel Herbert Dougal seine Lebensgefährtin ermordete und vier Jahre lang begraben hielt
Hoothootwoot / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
1
Opfer
„Der Moat-Farm-Mörder"
hingerichtet
TotschlägerClavering , Großbritannien
Aktive Jahre
1899

Vier Jahre lang erzählte Samuel Herbert Dougal jedem, der fragte, seine Lebensgefährtin sei auf große Reise gegangen, mal nach London, mal auf eine Segeltour. In Wahrheit lag sie die ganze Zeit erschossen in einem zugeschütteten Entwässerungsgraben seines eigenen Hofs, während er mit ihrem Vermögen lebte, ihre Unterschrift fälschte und eine Frau nach der anderen ins Haus holte. Erst eine schwangere Angestellte, die ihn vor Gericht zwang, brachte den Fall ins Rollen, der als „Moat Farm Murder” in die britische Kriminalgeschichte einging.

Werdegang

Samuel Herbert Dougal wurde im Mai 1846 im Londoner East End geboren und trat als junger Mann den Royal Engineers bei, wo er es bis zum Chefschreiber brachte und mehrere Jahre in Halifax, Nova Scotia, diente. Sein Privatleben verlief dabei außergewöhnlich unglücklich für die Frauen um ihn herum: Seine erste Ehefrau starb 1885 nach kurzer, plötzlicher Krankheit, seine zweite Frau nur drei Monate nach der Hochzeit unter ganz ähnlichen Umständen. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee 1887 folgte eine lange Kette wechselnder Beziehungen und kurzlebiger Anstellungen. 1895 wurde er wegen Urkundenfälschung zu zwölf Monaten Zwangsarbeit verurteilt, unternahm während der Haft einen Suizidversuch und verbrachte den Rest der Strafe in einer Anstalt.

Die Tat

1898 lernte er die 55-jährige, wohlhabende Rentnerin Camille Cecile Holland kennen, die unabhängig von ihrem eigenen Vermögen lebte. Gemeinsam kauften sie Anfang 1899 einen Bauernhof nahe Clavering in Essex, den Samuel Dougal in Moat Farm umbenannte, offiziell aber auf Camilles Namen eingetragen blieb. Nach außen traten beide als Ehepaar auf, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch mit einer dritten Frau verheiratet war. Kaum war eine neue Hausangestellte, Florence Havies, eingezogen, bedrängte er sie sexuell, was Camille energisch unterband. Am Abend des 19. Mai 1899 fuhren er und Camille gemeinsam mit dem Ponywagen aus. Er kehrte allein zurück und erklärte der Angestellten, Camille sei nach London gefahren und werde später wiederkommen. Camille Holland wurde nie wieder lebend gesehen. Tatsächlich hatte er sie erschossen und ihre Leiche in einem eigens ausgehobenen Graben auf dem Gelände vergraben.

Vier Jahre als angeblicher Witwer

In den folgenden vier Jahren zog Samuel Dougal eine Reihe von Frauen auf den Hof, darunter seine tatsächliche Ehefrau, die er als seine „Tochter” ausgab, während er den Dorfbewohnern erzählte, Camille sei auf Reisen. Er fälschte systematisch ihre Unterschrift auf Schecks, verkaufte ihre Wertpapiere und übertrug schließlich den gesamten Hof auf seinen eigenen Namen. Zugleich engagierte er sich demonstrativ in der örtlichen Kirchengemeinde und spendete großzügig für wohltätige Zwecke, offenbar um Verdacht abzuwenden. Mehrere Hausangestellte wurden während dieser Zeit von ihm schwanger, darunter die 18-jährige Kate Cranwell, die im September 1902 eine Vaterschaftsklage gegen ihn einreichte. Er entschied sich, diese Klage anzufechten, was angesichts der bereits kursierenden Gerüchte über Camilles Verschwinden ein folgenschwerer Fehler war.

Ermittlung und Prozess

Der zuständige Dorfpolizist meldete seine Bedenken im Januar 1903 an seine vorgesetzte Dienststelle, woraufhin erste Ermittlungen gegen ihn begannen. Verunsichert floh er zeitweise nach London, wurde dort jedoch erkannt, als er bei der Bank of England Geldscheine mit auffälligen Seriennummern wechseln wollte. Nach seiner Festnahme wegen Urkundenfälschung durchsuchte die Polizei wochenlang das gesamte Gelände von Moat Farm, zunächst erfolglos. Erst ein Hinweis, dass Samuel Dougal kurz nach seinem Einzug einen alten Entwässerungsgraben hatte zuschütten lassen, führte die Ermittler an die richtige Stelle. Am 27. April 1903, auf den Tag genau vier Jahre nach dem Einzug des Paares, fanden sie Camille Hollands sterbliche Überreste, anhand ihrer Kleidung und ihres Schuhwerks eindeutig identifiziert. Sie war aus nächster Nähe in den Kopf geschossen worden, die geborgene Kugel stammte nachweislich aus seinem Revolver. Der Fall zog schaulustige Menschenmengen nach Clavering, Zeitungen berichteten landesweit, und vor Ort wurden sogar Ansichtskarten vom Fundort verkauft. Der Prozess begann am 22. Juni 1903 in Chelmsford, die Jury brauchte für ihren Schuldspruch weniger als eine Stunde.

Hinrichtung

Samuel Herbert Dougal wurde am 14. Juli 1903 im Gefängnis von Chelmsford gehängt und auf dem dortigen Gefängnisgelände beigesetzt, sein Grab nur mit Initialen und einer Nummer markiert. Verurteilt wurde er nur für den einen nachgewiesenen Mord, wobei Ermittler angesichts seiner beiden zuvor plötzlich verstorbenen Ehefrauen in Kanada seit jeher vermuteten, dass er für weitere Todesfälle verantwortlich gewesen sein könnte, ohne dass sich dies je gerichtlich klären ließ. Der Fall gilt bis heute als eines der bekanntesten Beispiele britischer Kriminalgeschichte für einen Mörder, der über Jahre hinweg vom systematischen Betrug an seinem eigenen Opfer lebte, während er dessen Verschwinden mit immer neuen Ausreden vertuschte.

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