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Samuel James Furnace

Camden Lock im Londoner Stadtteil Camden Town, wo Samuel James Furnace lebte und arbeitete
Stephen Sweeney, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
1
Opfer
Suizid
TotschlägerLondon , Großbritannien
Aktive Jahre
1933

Ein Schuppen in Camden Town brannte in der Nacht des 3. Januar 1933 lichterloh, und in der Asche lag eine Leiche mit drei Schusswunden im Rücken. Ein Abschiedsbrief in der Nähe ließ die Polizei zunächst an einen tragischen Suizid glauben: Der verschuldete Bauunternehmer Samuel Furnace, so schien es, hatte sich aus Verzweiflung selbst das Leben genommen. Erst ein aufmerksamer Gerichtsmediziner bemerkte, dass die Zähne des Toten viel zu jung für den 39-Jährigen waren, und brachte damit einen der ungewöhnlichsten Mordfälle im London der Zwischenkriegszeit ins Rollen.

Werdegang

Samuel Furnace arbeitete als selbstständiger Bauunternehmer in Camden Town im Norden Londons, war verheiratet und Vater dreier Kinder. Geschäftlich lief es schlecht: Aufträge blieben aus, Schulden häuften sich. Regelmäßig erschien der 24-jährige Walter Spatchett, ein Mietschuldeneintreiber, um ausstehende Zahlungen für den angemieteten Schuppen des Bauunternehmers in der Hawley Crescent einzufordern.

Die Tat

Am Abend des 3. Januar 1933 erschoss der Bauunternehmer den jungen Mann mit drei Schüssen in den Rücken. Statt zu fliehen, entwickelte er einen makabren Plan: Er wollte seinen eigenen Tod vortäuschen, um seiner Familie eine Lebensversicherungssumme zu sichern und gleichzeitig seinen Gläubigern zu entkommen. Er drapierte die Leiche in seinem Schuppen, verteilte Farbe und Öl über Papiere, Schreibtisch und Schreibmaschine und steckte alles in Brand. Zuvor hatte er auf der Schreibmaschine einen Abschiedsbrief getippt: „Goodbye all. No work. No money. Sam J. Furnace.“ Das Blatt lag unter der massiven Schreibtischplatte und überstand das Feuer fast unbeschädigt, ausgerechnet der Beweis, den er als Beleg für seinen eigenen Tod gedacht hatte, wurde später zum wichtigsten Indiz gegen ihn.

Ermittlung

Der zuständige Leichenbeschauer William Bentley Purchase wurde misstrauisch, als er die Zähne des Toten begutachtete: Sie gehörten eindeutig einem deutlich jüngeren Mann. Bei genauerer Untersuchung fand er zudem drei Einschusslöcher unterhalb der rechten Schulter, was einen Suizid durch Verbrennen von vornherein unwahrscheinlich machte. Ein Sparbuch in der Kleidung der Leiche, ausgestellt auf den Namen Walter Spatchett, sowie zahnärztliche Unterlagen bestätigten schließlich, wer tatsächlich in dem Schuppen gestorben war. Samuel Furnace selbst war spurlos verschwunden.

Festnahme und Tod

Die Polizei fahndete nach dem vermeintlich Toten und fand ihn am 15. Januar 1933 in Southend-on-Sea, wohin er geflohen war. Am nächsten Tag, bereits in Polizeigewahrsam, trank er Salzsäure, die er in sein Mantelfutter eingenäht hatte. Er starb am 17. Januar 1933 in einem Krankenhaus. Zu einem Gerichtsprozess kam es dadurch nie, eine Geschworenenjury am Leichenschauhaus befand ihn jedoch noch posthum des Mordes an Walter Spatchett für schuldig.

Nachwirkungen

Der Fall gilt bis heute als Lehrbuchbeispiel dafür, wie forensische Zahnmedizin und aufmerksame Detailarbeit einen scheinbar eindeutigen Suizid als Mord entlarven können. Die Ironie, dass ausgerechnet der als Beweis für den eigenen Tod gedachte Abschiedsbrief zum entscheidenden Indiz gegen seinen Verfasser wurde, machte Samuel Furnace auch neun Jahrzehnte später noch zu einem oft zitierten Beispiel in der Kriminalistik.

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