Rudolf Pleil
- Aktive Jahre
- 1946–1947
- Modus Operandi
- Stumpfe GewaltVergewaltigungKomplizen
Rudolf Pleil prahlte vor Gericht mit Dutzenden Morden. Nachweisen konnte ihm das Braunschweiger Schwurgericht zehn Tötungen im Harzer Grenzgebiet und verurteilte ihn 1950 zu lebenslanger Haft. Der am 7. Juli 1924 in Kühberg geborene Täter nahm sich am 16. Februar 1958 in seiner Zelle in Celle das Leben. Das Landgericht Braunschweig führt das Verfahren bis heute unter seinen öffentlichkeitswirksamen historischen Prozessen.
Werdegang
Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen mit distanziertem Verhältnis zu seiner Familie auf und arbeitete als Kellner. In der chaotischen Nachkriegszeit nutzte er als Grenzpolizist die unübersichtlichen Verhältnisse an der noch kaum gesicherten Zonengrenze zwischen sowjetischer und westlicher Besatzungszone aus.
Taten
Er lockte Menschen, die illegal von Ost- nach Westdeutschland fliehen wollten, oft mit dem Angebot, sie sicher über die Grenze zu führen. Im abgelegenen Grenzgebiet schlug er ihnen von hinten mit einer Axt oder einem Hammer auf den Kopf, verging sich teils an den weiblichen Opfern und raubte anschließend ihre Wertsachen. Im Sommer 1946 wurde sein erstes bekanntes Opfer nahe Mattierzoll entdeckt.
Festnahme
Der Mord an dem Hamburger Kaufmann Bennen, dessen Leiche am 13. April 1947 gefunden wurde, brachte die Ermittlungen entscheidend voran. Ein Augenzeuge identifizierte ihn, am 18. April 1947 wurde er in Zorge festgenommen.
Prozess in zwei Etappen
1948 verurteilte ihn ein Gericht zunächst nur wegen Totschlags, nicht wegen Mordes, zu zwölf Jahren Haft. Aus der Untersuchungshaft in Celle schrieb er 1948 jedoch an den Bürgermeister von Vienenburg und offenbarte weitere, bis dahin unbekannte Leichenfunde. Am 17. November 1950 wurde er gemeinsam mit zwei Komplizen wegen mehrfachen Raubmordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Tod
In der Haft verfasste er unter dem Titel “Mein Kampf” ein 127-seitiges Konvolut aus drei Heften mit Geständnissen, Gedichten und einem dreiaktigen Theaterstück. Fünf seiner mutmaßlichen Opfer konnten nie identifiziert werden. Am 17. Februar 1958 nahm er sich in seiner Zelle das Leben.
Nachwirkungen
Der Fall zählt zu den bekanntesten Verbrechen der frühen bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte und zeigt, wie das Machtvakuum an der noch jungen innerdeutschen Grenze unmittelbar nach dem Krieg von Gewalttätern ausgenutzt werden konnte.