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Roger Girerd

Rathaus von Charvieu-Chavagneux, der Gemeinde, in der Roger Girerd 1965 seine Familie tötete
Xavier Caré (Rexcornot), via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
10
Opfer
Suizid
MassenmörderCharvieu-Chavagneux , Frankreich
Aktive Jahre
1965

In der Nacht vom 19. auf den 20. Mai 1965 tötete der Landwirt Roger Girerd auf dem Hof seiner Familie in Charvieu-Chavagneux, einer Gemeinde im Département Isère, zehn Angehörige: seine Ehefrau, seine Mutter, seinen Bruder, vier eigene Kinder und eine einjährige Nichte. Am Morgen danach erschoss er sich selbst. Der Fall gilt bis heute als einer der folgenreichsten Familienmorde eines Einzeltäters in der französischen Kriminalgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Werdegang

Roger Girerd, geboren um 1931, arbeitete als Fabrikarbeiter in der Gießerei Gindre-Duchavany und bewirtschaftete daneben zusammen mit seiner Familie einen kleinen Bauernhof. 1959 verbrachte er nach eigenen Angaben mehrere Monate in einer psychiatrischen Klinik in Grenoble, die Diagnose lautete auf Erschöpfung durch Überarbeitung. In den Jahren vor der Tat plagte ihn nach Aussagen von Bekannten eine ausgeprägte Angst vor einem Atomkrieg, verbunden mit der Sorge, seine Familie nicht mehr ausreichend ernähren zu können.

Die Tat

In der Nacht zum 20. Mai 1965 tötete Roger Girerd zunächst seine Frau Jeannette, 34 Jahre alt, sowie fünf der gemeinsamen Kinder in der Küche des Wohnhauses: Eliane, 10 Jahre, Joceline, 8 Jahre, Bernard, 7 Jahre, Yves, 4 Jahre, sowie den erst sechs Monate alten Pierre. Auch eine einjährige Nichte kam dabei ums Leben. Die Opfer in der Küche wurden mit einem Messer erstochen oder erwürgt.

Anschließend ging er nach draußen, wo seine Mutter Angèle, 58 Jahre alt, und sein Bruder Robert, 23 Jahre alt, gerade Milchkisten für den Verkauf auf einen Wagen luden. Er erschoss beide aus nächster Nähe von hinten. Auch der Hofhund wurde erschossen.

Suizid und Abschiedsbrief

Gegen 10 Uhr morgens erschoss sich Roger Girerd selbst auf dem Hof. Er hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er seine Verzweiflung über die eigene Armut und die Angst um die Zukunft seiner Kinder schilderte. Bemerkenswert an dem Brief war, dass er darin ausdrücklich Geld für seine Beerdigung und zur Begleichung offener Schulden zurückließ, ein Detail, das im Widerspruch zur Wahnhaftigkeit der eigentlichen Tat steht und bis heute Anlass für Spekulationen über sein tatsächliches Seelenleben in den letzten Stunden gibt.

Nachwirkungen

Die Tat erschütterte 1965 die französische Öffentlichkeit und wurde ausführlich in der Landespresse dokumentiert. Zehn Todesopfer durch die Hand eines Einzeltäters ohne erkennbares kriminelles Vorleben stellten für die damalige Zeit einen seltenen und schwer einzuordnenden Fall dar. Bis heute wird der Fall Roger Girerds in kriminologischen Abhandlungen über familiäre Gewalteskalation und psychische Erschöpfungszustände als Beispiel angeführt.