Robert William Hoolhouse
- Aktive Jahre
- 1938
- Modus Operandi
- ErstechenVergewaltigung
Ein Fahrradunfall soll die Kratzer in seinem Gesicht erklärt haben, sagte Robert William Hoolhouse den Ermittlern. Sie glaubten ihm nicht und schickten ihn binnen weniger Monate an den Galgen. Historiker halten den Fall bis heute für einen der eindrücklichsten britischen Justizirrtümer des 20. Jahrhunderts.
Die Tat
Am 18. Januar 1938 verließ die 67-jährige Margaret Jane Dobson gegen 16:30 Uhr die High Grange Farm bei Wolviston in der englischen Grafschaft Durham und kehrte nicht wie angekündigt zurück. Am nächsten Morgen fand ihr Ehemann sie tot auf einem Feld, sie war sexuell missbraucht und erstochen worden.
Ermittlung
Der Verdacht der Polizei richtete sich schnell auf den 21-jährigen Landarbeiter Robert William Hoolhouse, der Kratzer im Gesicht und Blutflecken auf seiner Kleidung hatte. Ein mögliches Motiv fand sich in der Tatsache, dass er und sein Vater fünf Jahre zuvor von der Familie Dobson entlassen worden waren und dabei ihre Unterkunft verloren hatten. Er erklärte die Verletzungen mit einem Fahrradunfall und gab an, von 12:30 bis 15:00 Uhr einen Bekannten namens William Husband besucht zu haben und anschließend bis zum frühen Abend zu Hause gewesen zu sein.
Prozess
Der Prozess fand vom 28. bis 30. März 1938 vor den Leeds Assizes unter Vorsitz von Richter Wrottesley statt. Nach über vier Stunden Beratung befand die Jury ihn trotz, wie spätere Beobachter es nannten, „dünner” Beweislage für schuldig.
Zweifel an der Schuld
Mehrere Umstände sprachen gegen die Verurteilung, wurden im Prozess aber nicht ausreichend gewürdigt. Auf seiner Kleidung fanden sich keine Samenspuren, obwohl das Opfer erhebliche Mengen davon an ihrer eigenen Kleidung aufwies. Ein Fußabdruck am Tatort stammte nachweislich nicht von ihm, wurde aber nicht sachgerecht gesichert und weiterverfolgt. Zeugen, die ihn zur mutmaßlichen Tatzeit an anderer Stelle gesehen hatten, wie die Mitreisende Margaret Barker im Bus oder die Nachbarin Doris Teale, die ihn nach 17 Uhr vor seinem Haus bemerkte, wurden im Prozess nicht ausreichend gehört. Ein von einem Zeugen namens Percy Swales gesichteter fremder Mann in auffälliger Kleidung in der Nähe des Tatorts wurde von der Polizei trotz eines Zeitungsaufrufs nie ermittelt.
Hinrichtung
Robert William Hoolhouse wurde am 26. Mai 1938 im Durham Gaol durch den Henker Thomas Pierrepoint gehängt. Er beteuerte bis zuletzt seine Unschuld.
Nachwirkungen
Jahre nach der Hinrichtung soll sein eigener Vater auf dem Sterbebett gestanden haben, für den Mord verantwortlich zu sein. Belege dafür, dass er sich zur Tatzeit am Tatort befand oder die von Zeugen beschriebene Kleidung des Fremden trug, gibt es allerdings nicht. Historiker deuten das Geständnis eher als späten Versuch, den Sohn postum reinzuwaschen, denn als gesicherte Tatsache. Der Fall gilt in Großbritannien bis heute als Lehrbeispiel für ein Fehlurteil, das auf lückenhafter Ermittlungsarbeit und übersehenen Entlastungszeugen beruhte.