Robert Black
- Aktive Jahre
- 1981–1986
- Modus Operandi
- VergewaltigungErwürgenEntführung
Vier junge Mädchen verschwanden zwischen 1981 und 1986 quer über die britische Insel verteilt, ihre Leichen wurden Wochen später hunderte Kilometer von zu Hause entfernt gefunden. Die Ermittler erkannten zunächst kein gemeinsames Muster. 1990 beobachtete ein Nachbar in einem schottischen Dorf einen verdächtigen Lieferwagen und notierte dessen Kennzeichen. Robert Black, ein unauffälliger Berufskraftfahrer, hatte seine beruflichen Routen durch ganz Großbritannien genutzt, um Kinder zu entführen, zu missbrauchen und zu töten, ohne dass ihn jemand verdächtigte.
Werdegang
Robert Black wurde am 21. April 1947 im schottischen Grangemouth geboren. Seine Mutter gab ihn kurz nach der Geburt in Pflege, er wuchs bei einer Pflegefamilie im Dorf Kinlochleven auf, die ihn später als aggressiven und schwierigen Jungen beschrieb. Schon als Kind entwickelte er zwanghafte sexuelle Fantasien. Mit siebzehn Jahren wurde er erstmals verurteilt, nachdem er ein siebenjähriges Mädchen in ein leerstehendes Gebäude gelockt und gewürgt hatte, er kam mit einer Verwarnung davon. In den folgenden Jahren missbrauchte er nach eigenem späterem Geständnis Dutzende weiterer Kinder, ohne dass es zu weiteren Verurteilungen kam, bis auf einen Fall 1967, für den er ein Jahr in eine Erziehungsanstalt musste. Ab 1976 arbeitete er als Fahrer für ein Plakatierungsunternehmen, das ihm Zugang zu Auftragsfahrten in ganz Großbritannien verschaffte, eine berufliche Tarnung, die er über Jahre für seine Taten nutzte.
Die Taten
Am 30. Juli 1982 entführte er die elfjährige Susan Maxwell auf dem Weg zu einem Tennisplatz nahe Cornhill-on-Tweed an der englisch-schottischen Grenze, vergewaltigte und erwürgte sie. Ihre Leiche wurde zwei Wochen später in einem Straßengraben bei Uttoxeter in den englischen Midlands gefunden, mehr als 400 Kilometer vom Tatort entfernt. Am 8. Juli 1983 entführte er die fünfjährige Caroline Hogg in einem Vergnügungspark im Stadtteil Portobello von Edinburgh, ihre Leiche fand man zehn Tage später bei Twycross in Leicestershire, nur wenige Kilometer von Susans Fundort entfernt. Am 26. März 1986 verschwand die zehnjährige Sarah Harper auf dem Weg zum Bäcker in Morley bei Leeds, ihr Leichnam wurde erst vier Wochen später im Fluss Trent bei Nottingham entdeckt, mit Verletzungen, die auf besonders brutale Gewalt vor dem Tod hindeuteten.
Ermittlung und Festnahme
Die britische Polizei verband die drei Fälle über Jahre nicht miteinander, obwohl auffällige Gemeinsamkeiten bestanden: Alle Opfer waren barfuß, in weißen Socken, von öffentlichen Orten entführt und Hunderte Kilometer entfernt wieder aufgefunden worden. Erst 1990 kam der entscheidende Durchbruch, allerdings durch Zufall statt Ermittlungsarbeit. Am 14. Juli 1990 beobachtete ein Nachbar im schottischen Ort Stow, wie ein Mann ein sechsjähriges Mädchen in einen Lieferwagen zerrte, notierte das Kennzeichen und alarmierte die Polizei. Die Beamten stoppten das Fahrzeug und fanden das Kind gefesselt, geknebelt und in einen Schlafsack gesteckt auf der Ladefläche, es hatte den Angriff überlebt. Anhand von Arbeitsprotokollen, Lohnabrechnungen und Tankquittungen rekonstruierten Ermittler anschließend, dass Robert Black zu jedem der drei früheren Tatzeitpunkte nachweislich in der jeweiligen Region unterwegs gewesen war.
Prozesse
Für die versuchte Entführung in Stow bekannte er sich im August 1990 schuldig und erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Im Hauptprozess vor dem Gericht in Newcastle wurde er im Mai 1994 auch des Mordes an Susan Maxwell, Caroline Hogg und Sarah Harper für schuldig befunden, obwohl es keine direkten forensischen Beweise gab, die Anklage stützte sich unter anderem auf die Rekonstruktion seiner beruflichen Fahrtrouten. Das Gericht legte für die Strafe eine Mindestverbüßungsdauer von 35 Jahren fest. 2011 wurde er in Nordirland auch des Mordes an der neunjährigen Jennifer Cardy schuldig gesprochen, die 1981 in der Grafschaft Antrim entführt worden war. Das Gericht stellte fest, dass sich die Gerichtsmediziner nicht auf eine Todesursache einigen konnten; die Statistik nennt für diesen Fall deshalb keine ungesicherte Tötungsmethode. Black erhielt eine weitere Mindeststrafe von 25 Jahren.
Nachwirkungen
Ermittler verdächtigten Robert Black zeitlebens, für mindestens ein knappes Dutzend weiterer ungeklärter Entführungen und Morde an Mädchen in Großbritannien verantwortlich zu sein, ein Geständnis legte er jedoch nie ab. Er starb am 12. Januar 2016 im nordirischen Gefängnis Maghaberry an einem Herzinfarkt, ohne dass die offenen Fälle abschließend geklärt werden konnten. Sein Fall gilt in Großbritannien bis heute als Lehrbuchbeispiel dafür, wie ein Täter jahrelang unentdeckt bleiben kann, wenn Ermittlungsbehörden regionale Fälle nicht systematisch miteinander abgleichen.